Blanka Dörfel: „Ich fühle mich auf allen Strecken zu Hause“

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Blanka Dörfel (SCC Berlin) ist die Aufsteigerin auf den Langstrecken des zurückliegenden Jahres. So steigerte die Schülerin gleich zweimal den deutschen U20-Rekord im Halbmarathon auf zuletzt 71:54 Minuten. Im Interview spricht die 19-Jährige über ihre famose Saison 2021, Pläne für die Zukunft, ihre Backkünste und einen einarmigen Handstand.

Blanka Dörfel - Trackteam BURG-WÄCHTER Läuferin
Blanka Dörfel in ihrem Element: dem langen und schnellen Laufen! (Foto: Iris Hensel)

Blanka Dörfel, die letzten Tage des Jahres sind angebrochen. Konnten Sie denn auch die Weihnachtszeit mit Plätzchen backen und essen genießen. Oder ist das für eine Langstreckenläuferin strikt verboten?
Verboten? Man sollte sich im Leben nichts verbieten lassen, gerade wenn man so viel läuft. Ich backe das, was mich glücklich macht. Am liebsten selbstgemachte Kekse oder Plätzchen mit Hafer, Kakao und Nüssen. Zwar ist Backen nicht unbedingt meine Stärke, aber ich möchte meine Backkünste in Zukunft verbessern.

Schauen wir auf Ihr Lauf-Jahr 2021 zurück: Müssen Sie sich manchmal noch selbst kneifen oder haben Sie schon realisiert, was Sie geleistet haben, beispielsweise die beiden deutschen U20-Rekorde im Halbmarathon?
Ich laufe, weil es mir Freude bereitet und arbeite nicht unbedingt auf eine bestimmte Zeit hin. Daher lief 2021 für mich in jedem Fall unerwartet positiv. Die Zeiten waren so nicht geplant, umso mehr freue ich mich natürlich.

2022: Fokus auf der Bahn

Sie haben erst in diesem Jahr Ihr sportliches Augenmerk von der Bahn auf die Straße verlagert und sind dabei gleich 33:00 Minuten über 10 Kilometer und 71:54 Minuten im Halbmarathon gelaufen. Werden Sie auch im nächsten Jahr Ihren Fokus auf die Straßenläufe legen?
Es macht mir riesigen Spaß, auf der Straße zu laufen. Aber mein Augenmerk liegt nicht auf der Straße. Der Fokus liegt 2022 auf der Bahn, auch wenn ich natürlich Straßenläufe bestreiten werde.

Was sind für Sie die größten Unterschiede bei Läufen auf der Bahn und auf der Straße?
Man kann diese beiden Arten des Laufens nur schwer vergleichen. Ich liebe einfach beides. Der größte Unterschied ist für mich, dass man auf der Straße stärker mit Freizeitsportlern in Kontakt kommt. Vor diesen Sportlern habe ich großen Respekt, da sie Arbeit, Sport, Familie unter einem Hut bekommen. Es ist ein anderes Flair, denn alle Läufer erhalten im Ziel Anerkennung und Aufmerksamkeit. Daraus ergibt sich ein wunderschönes Zusammenspiel zwischen Spitzen- und Breitensport.

Sie sind 2019 EYOF-Siegerin über 2.000 Meter Hindernis geworden. Es war bis heute Ihr letztes Hindernisrennen. Haben Sie mit dieser Disziplin schon abgeschlossen oder wird man Sie in Zukunft wieder auf dieser Distanz sehen?
Abgeschlossen mit den Hindernissen? Niemals! Ich möchte sehr vielseitig bleiben und mein Können auf allen Strecken beweisen. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass ich in den nächsten Jahren an der Startlinie von Hindernisrennen stehe.

Generell sagt man, dass erst die Zeiten auf den Unterdistanzen optimiert werden sollen, bevor es auf die langen Strecken geht. Wie ist dabei Ihr Vorgehen?
Ich liebe lange und kurze Strecken gleichermaßen. Ich werde in Zukunft versuchen, mich dort häufiger zu testen. Denn natürlich: Ohne gute Unterdistanzen wird man auch auf den längeren Strecken nicht erfolgreich sein können.

Gab es irgendwann bei Ihnen dieses eine Schlüsselerlebnis, nachdem feststand: „Ja, lange Straßenläufe sind mein Ding!“
Ich fühl mich auf allen Strecken zu Hause – egal ob kurz oder lang, Bahn oder Straße. Es gab dementsprechend keinen Schlüsselmoment. Ich laufe einfach los und sehe dann, wo die Reise hingeht.

Blanka Dörfel: „Wir Menschen sind zum Laufen geboren!“

Was fasziniert Sie eigentlich generell am Laufen?
Die Frage ist für mich sehr einfach zu beantworten: Wir Menschen sind zum Laufen geboren, über Jahrtausende kannte man als Fortbewegung nichts anderes als das Laufen oder Gehen. Die schwierigere Frage wäre: Was fasziniert mich nicht am Laufen? Denn darauf hätte ich keine Antwort.

Kommendes Jahr starten Sie „offiziell“ in der Frauen-Klasse. Dann stehen die EM in München und die WM in Eugene auf dem Programm. Spielt eine mögliche Qualifikation, z.B. über 5.000 oder 10.000 Meter, eine Rolle in Ihren Planungen?
Eine EM-Qualifikation wäre schon eine große Überraschung. Schließlich ist die nationale Konkurrenz enorm stark. Ob ich überhaupt kommendes Jahr 10.000 Meter laufe, kann ich noch nicht sagen. Schließlich bin noch jung und stehe erst am Anfang. Ich will mich einfach auf allen Strecken weiter verbessern. Dann wird man sehen, für was es 2022 reichen kann.

Möglich wäre bei beiden Meisterschaften auch ein Marathon-Start. Allerdings sind Sie erst 19 Jahre alt. Liebäugeln Sie denn schon mit einem Marathon-Debüt und wenn ja wann?
Ein Marathon ist für mich noch sehr weit weg, damit beschäftige ich mich überhaupt nicht. Aber natürlich schließe ich nicht aus, irgendwann Marathon zu laufen.

Lauf-Faszination Belmeken

Im Sommer waren Sie für mehrere Wochen im Höhentraining in Bulgarien, u.a. mit Anna und Lisa Hahner. Wie haben Sie die Zeit auf dem Belmeken erlebt?
Wir sind nach Bulgarien gefahren, um die Vorbereitung ganz entspannt mit Grundlagentraining zu beginnen und Spaß zu haben. Mein Trainer war ja schon oft dort und kennt die guten Bedingungen. Ich habe unbeschreiblich schöne Landschaften erlebt und durfte mit tollen Trainingspartnern laufen. Es war eine faszinierende Zeit.

Seit diesem Jahr starten Sie für den SCC Berlin und trainieren beim Straßenlauf-Experten Dieter Hogen, der schon Uta Pippig zu Siegen bei großen Marathons geführt hat. Wie hat er Ihr Training in den vergangenen Monaten verändert?
Dieter Hogen hat schon viele Athleten auf Bahn und Straße zu guten Ergebnissen geführt. Ich bin sehr stolz, mit so einem erfahrenen Trainer zu arbeiten. Er hat meinen ganzen Alltag umgestellt, meinen Kopf frei gemacht. Es ist nicht nur ein Trainer für mich, sondern auch ein Freund, dem ich einfach alles erzählen kann. Das ist im Moment wichtiger als Leistungen.

Mit 19 Jahren sprüht man förmlich vor Träumen, Zielen, Erwartungen. Was möchten Sie in den kommenden fünf Jahren erreichen?
Da gibt es viele verschiedene Ziele. Sportlich möchte ich – so wie wohl alle Leistungssportler in meinem Alter – meinen Weg finden, mich immer weiter verbessern und die europäische Spitze erreichen. Auf dem Weg dorthin will ich weiter mit meinem Trainer und mit meinen Trainingspartnern zusammenarbeiten. Privat will ich mein Leben genießen, noch flüssiger Englisch sprechen können und was ganz wichtig ist: bis dahin einen einarmigen Handstand schaffen.

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