23,12 sec: Lückenkemper stürmt zur Bestzeit

Eingetragen bei: News | 0

Erst schlug sie die Hände vor den Mund, dann entlud sich Gina Lückenkempers Freude in einem lauten Jubelschrei. Dazu hatte die Sprinterin vom LAZ Soest am Samstagabend in Regensburg auch allen Grund: Mit 23,12 Sekunden ließ sie bei der Sparkassen-Gala die gesamte deutsche Frauen-Elite über 200 Meter hinter sich. Ganz nebenbei lief die 18-Jährige an die Spitze der deutschen Bestenliste und die schnellste Zeit einer deutschen U20-Sprinterin seit 15 Jahren. Am 20. August 2000 lief Sina Schielke in 23,07 Sekunden – da war Gina Lückenkemper gerade einmal drei Jahre alt.

„Es war einfach ein geniales Gefühl, als im Ziel die Zeit auf der Anzeigetafel aufleuchtete. Ich bin mächtig zufrieden“, jubelte die Schülerin nach dem Rennen. Dabei hatte Lückenkemper in ihrem Zeitlauf sogar die Konkurrenz gefehlt, die normalerweise für Top-Zeiten nötig ist. Die vor ihr gestartete Französin Celine Distel-Bonnet verletzte sich nach rund 80 Metern. Die anderen beiden Starterinnen hatten bei Windstille fast zwei Sekunden Rückstand. Das alles machte der jungen Soesterin nichts aus. Sie zog auf der Zielgeraden durch und lief zum Hausrekord.

In der Endabrechnung der drei Zeitläufe lag Gina Lückenkemper vor den besten deutschen 200-Meter-Sprinterinnen. Als Zweite folgte Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge). Die amtierende Deutsche Meisterin setzte sich im ersten Lauf in 23,25 Sekunden vor ihrer Vorgängerin Inna Weit durch. Für die Deutsche Meisterin der Jahre 2012 und 2013 wurden 23,63 Sekunden gestoppt. Beide hatten allerdings zwei 100-Meter-Rennen und ein Staffelrennen in den Beinen. Lückenkemper war zuvor „nur“ mit der Staffel angetreten. Das deutsche U20-Quartett (Nina Braun, Lisa Mayer, Gina Lückenkemper, Chantal Butzek) lief starke 43,70 Sekunden und war damit nochmals zwölf Hundertstel schneller als Mitte Mai in Pliezhausen.

Mit dieser Zeit empfahl sich der deutsche „Vierer“ noch einmal eindrucksvoll für die U20-Europameisterschaften in sechs Wochen ins Eskilstuna (Schweden). Zum Vergleich: Der U20-Europarekord – aufgestellt vor vier Jahren von deiner deutschen Staffel in Tallinn (Estland) – ist nur 28 Hundertstel schneller. „Die Ausgangslage für de Staffel ist gut. Unser Ziel ist ganz klar eine Medaille“, sagte Lückenkemper, die schon vergangenes Jahr Staffel-Bronze bei den U20-Weltmeisterschaften in Eugene gewonnen hatte. Nach der Zeit von Regensburg kommt für Gina Lückenkemper sogar eine Einzelmedaille über 200 Meter Reichweite. Hinter den starken Britinnen Shannon Hylton (22,94 sec) und Charlotte McLennaghan (23,09 sec) liegt sie momentan auf Platz drei der europäischen U20-Bestenliste. Das Credo der Soesterin heißt in diesem Fall: Erst das Finale erreichen, dann werden neue Ziele gesetzt. „Mit der Zeit ist allerdings einiges drin.“

Ebenfalls keine Rolle spielt (momentan) das Leichtathletik-Highlight des Jahres: die WM Mitte August in Peking. Zur WM-Norm fehlen der Soesterin nur noch 22 Hundertstel. „Mit der WM habe ich mich nicht beschäftigt. Und die 22,90 Sekunden sind doch noch ein Stückchen weg“, sagte der Schützling von Uli Kunst. Doch eins ist klar: Nach dem Top-Rennen von Regensburg sollte man dem deutschen Sprinttalent jedoch in den kommenden Wochen noch so einiges zutrauen. Und vielleicht reicht es ja zu einem WM-Platz als Staffel-Ersatzläuferin? „Ich würde auch als Wasserträgerin mit zur WM fahren, um Erfahrung zu sammeln“, sagte Lückenkemper.

Lena Malkus mal wieder im Sechsten > Die Macher der Regensburger Sparkassen-Gala rollten Lena Malkus am Samstagabend den schwarzen Teppich aus: Der Anlauf der Weitspringerin vom SC Preußen Münster war so lang, dass er in der gegenüberliegenden Weitsprunggrube begann. Um einen sicheren Anlauf zu gewährleisten, wurde ein dicker Kunststoffteppich für die momentan viertbeste Weitspringerin der Welt (6,94 m) verlegt. Lena Malkus zahlte diesen Aufwand mit Leistung zurück. In ihrem bekannt starken letzten Versuch flog sie auf 6,66 Meter und zum Sieg. Damit hakte die 21-Jährige auch die zweite Norm (Bestätigungsnorm) für die WM Mitte August in Peking ab. Die erste Norm (6.70 m) hatte Lena Malkus vor Wochenfrist in Weinheim mit ihrem 6,94-Meter-Flug klar übertroffen.

Obwohl nur fünf Springerinnen im A-Finale starteten, hatte die Münsteranerin sichtlich Spaß am Wettkampf. „In Regensburg ist die Stimmung an der Grube immer genial, darum springe ich auch so gern hier“, sagte Malkus, die auch mit ihrer Leistung „richtig zufrieden war“. Nach einem ungültigen Sprung zum Auftakt folgten im zweiten Versuch 6,51 Meter, danach übertrat sie dreimal in Folge das Brett. Erst im finalen Versuch erwischte die schnellste deutsche Weitspringerin dieses optimal und segelte auf 6,66 Meter. „Vielleicht wären sogar noch ein paar Zentimeter mehr möglich gewesen“, sagte Malkus. Die U23-Europameisterin weiß um ihre gute Form. Sie ist momentan so schnell, dass sie im Anlauf immer wieder verlängern muss, um das Brett zu treffen.

Auf Rang zwei landete in Regensburg Xenia Stolz (Wiesbadener LAV). Die Deutsche Hallenmeisterin von 2012 kam im letzten Versuch auf 6,34 Meter. Rang drei ging an Lokalmatadorin Jacqueline Sterk (5,83 m). In einer Woche wird die Konkurrenz für Lena Malkus deutlich größer sein. Dann geht es in Wetzlar um die Titel bei den Deutschen U23-Meisterschaften. Viermal in Folge hat Malkus in dieser Altersklasse Gold abgeräumt. Dieses Jahr ist sie zum letzten Mal in der U23 startberechtigt. Größte Konkurrentin dürfte im Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) werden. Die EM-Vierte und U20-Europameisterin sprang im Fernduell am Freitag bei der Diamond League in Rom 6,79 Meter weit und übertraf im viertbesten Wettkampf ihrer Karriere die WM-Norm für Peking. Das Duell Malkus gegen Mihambo dürfte ein Höhepunkt der U23-DM werden.

Patrick Zwicker ist zurück > Mittelstreckler Patrick Zwicker (LC Rehlingen) hat am Samstag eine ordentliche Saisonpremiere hingelegt. Allerdings startete der amtierende U20-Europameister in Regensburg nicht über seine Spezialstrecke, die 800 Meter, sondern über die 1500 Meter. Auf der Überdistanz belegte er in 3:46,91 Minuten beim Sieg des Lokalmatadoren Florian Orth (3:38,78 min) Platz zwölf. „Die Zeit ist okay, auch wenn es im Training zuletzt deutlich besser lief und mehr möglich gewesen wäre“, bilanzierte Zwicker.

Man merkte dem 20-Jährigen bei der Sparkassen-Gala an, dass ihm momentan noch die Rennpraxis fehlt. „Ich brauche jetzt einfach so viele Läufe wie möglich“, sagte Zwicker. Ganz entscheidende Rennen stehen am kommenden Wochenende bei der U23-DM bevor. In Wetzlar hat der Saarländer die letzte Chance, einen Startplatz für die U23-Europameisterschaften Anfang Juli in Tallinn (Estland) zu ergattern. Dafür sind 1:47,70 Minuten gefordert. Eine machbare – wenn auch in Meisterschaftsrennen nicht einfach zu erreichende – Zeit für Patrick Zwicker.

Maya Rehberg: Tempotest gelungen > Den weiten Weg von Kiel zur Sparkassen-Gala in Regensburg wollte Maya Rehberg am Samstag nicht auf sich nehmen. Darum entschied sich die Hindernisspezialist für einen Start im nahgelegenen Büdelsdorf über 1500 Meter. Dort gewann sie in einem gemischten Rennen (auch ihre beiden Brüder Stig und Kjell waren dabei) die Frauenwertung in 4:22,53 Minuten. Nur einmal war sie in ihrer Karriere schneller unterwegs. „Das ist ein gutes Ergebnis und ein klarer Hinweis, dass die Form für die kommenden Wochen stimmt“, sagte Maya Rehberg.

Bevor es für die Kielerin Anfang Juli zur U23-EM nach Tallinn (Estland) über 3000 Meter Hindernis zur Sache geht, wird sie am kommenden Wochenende in Wetzlar noch einmal an der Schnelligkeit feilen. Bei der U23-DM startet sie erneut über 1500 Meter. „Meine Ausdauerwerte sind richtig gut. Auch die Hindernistechnik wird immer besser. Nun geht es darum, Tempospitzen zu setzen. Schließlich muss ich in Tallinn auch hinten raus schnell sein“, erklärt die Studentin die Taktik. Mit ihrer Saisonbestzeit von 10:02,01 Minuten über 3000 Meter Hindernis liegt Maya Rehberg momentan auf Rang zehn der europäischen U23-Bestenliste. Das Finale in Tallinn und bei einer weiteren Steigerung eine Top-Platzierung sind damit in Reichweite. Dass die Kielerin die Konkurrenz nicht fürchten muss, hat sie mit ihrem starken Tempotest in Büdelsdorf bewiesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.