6,94 m: Lena Malkus landet in der Weltspitze

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Die Veranstalter der B&S Kurpfalz-Gala in Weinheim hatten das richtige Näschen: Lena Malkus‘ Jubelpose nach ihrem 6,88-Meter-Sprung aus dem vergangenen Jahr zierte die Meeting-Plakate. Am Samstagnachmittag fiel der Jubel der Weitspringerin vom SC Preußen Münster sogar noch eine Nummer größer aus als 2014. Im fünften Versuch flog die U23-Europameisterin bis nahe an die Sieben-Meter-Marke. Exakt 6,94 Meter wurden für die 21-Jährige gemessen: Bestleistung, Meetingrekord, WM-Norm und der Sprung auf Platz vier in der Welt.

„Weinheim ist meine Anlage. Ich bin hierhergekommen, um die WM-Norm von 6,70 Meter anzugreifen. An eine 6,90-Meter-Weite habe ich gar nicht gedacht“, konnte es Malkus auch lange nach dem Giganten-Sprung nicht fassen, was sie vollbracht hatte. Dass der Versuch keine Eintagsfliege war, bewies die Psychologiestudentin im finalen sechsten Versuch mit 6,80 Metern. Zur Einordnung: Das ist die drittbeste Weite bei regulären Bedingungen in Malkus‘ Karriere.

Dass die Jugend-Olympiasiegerin von 2010 in diesem Jahr für ganz weite Sprünge gut ist, hatte sich schon in den vergangenen Wochen angedeutet. Allerdings musste man zwischen den Zeilen lesen, um das Potenzial der 21-Jährigen richtig einzuordnen. Nach einem guten Saisonstart mit 6,48 Metern folgten aufgrund von Anlaufproblemen beim Meeting in Hengelo nur 6,08 Meter. Allerdings sah man die fitteste Lena Malkus aller Zeiten. Den subjektiven Eindruck untermauert ihre starke 200-Meter-Zeit von 23,75 Sekunden zum Saisonauftakt. Klar zählt Lena Malkus auch international zu den schnellsten Weitspringerinnen. Doch dieser Zubringerwert ist einfach exzellent. Er belegt die enorme Sprintausdauer der Münsteranerin und verdeutlicht, warum Lena Malkus in vielen Wettkämpfen in den letzten Versuchen für Top-Weiten gut ist.

Auch Xenia Stolz erwischte einen starken sechsten Versuch. Mit im finalen Versuch erzielten 6,63 Metern belegte die Wiesbadenerin in Weinheim den zweiten Rang. Damit setzte sich die Hallen-EM-Starterin vor der stärker eingeschätzten Konkurrenz durch. Platz drei sicherte sich die Italienerin Tania Vicenzino (6,59 m) vor der Deutschen Meisterin Melanie Bauschke (LAC Berlin; 6,57 m) und der EM-Vierten Malaika Mihambo (LG Kurpfalz; 6,52 m). An die Ausnahmeleistung von Lena Malkus kam allerdings keine der Top-Springerinnen heran.

5 Fragen an Lena Malkus

Lena Malkus, haben Sie vor Weinheim gespürt, dass 6,94 Meter in Ihnen stecken?
Eine gute Weite hatte sich schon in dieser Woche im Training angedeutet. Auch habe ich mich heute vor dem Wettkampf extrem gut gefühlt. An 6,94 Meter habe ich aber nie und nimmer gedacht. Vielmehr habe ich auf die WM-Norm geschielt. Die liegt ja immerhin bei 6,70 Metern. Man darf nicht vergessen. Es war erst mein fünfter Wettkampf mit 6,70 Metern oder mehr.

Damit fehlen Ihnen nur noch sechs Zentimeter zu den magischen sieben Metern. Ist diese Traummarke Ihr nächstes Ziel?
Klar denkt man an die sieben Meter, wenn nur noch sechs Zentimeter fehlen. Aber ich weiß genau: Ich werde 6,90-Meter-Weiten nicht in jedem Wettkampf anbieten können. Für mich geht es darum, stabile Ergebnisse um 6,60 Meter anzubieten. Dann ist auch immer ein Ausrutscher nach oben möglich.

In Weinheim haben Sie schon 2014 mit 6,88 Metern überrascht. Warum springen Sie ausgerechnet auf dieser Anlage immer so gut?
In Weinheim sind immer super Bedingungen, eine super Anlage, meist schönes Wetter und natürlich wunderbare Stimmung. Ich bin schon als Jugendliche hier immer gesprungen, daher habe ich die Anlage gut in Erinnerung und freue mich immer sehr auf den Wettkampf. Dass ich dieses Jahr noch auf dem Meeting-Plakat abgebildet war, hat mich zusätzlich motiviert.

Können Sie beschreiben, wie sich der Sprung auf 6,94 Meter angefühlt hat?

Der Sprung hat sich ziemlich gut angefühlt. Man merkt ja sofort, ob ein Versuch gut war oder nicht. Aber ganz ehrlich: Nach 6,94 Metern hat er sich nicht angefühlt. Das kann auch daran liegen, dass ich zuvor nur einen gültigen Versuch auf 6,50 Meter hatte.

Sie liegen momentan auf Platz vier der Weltjahresbestenliste. Haben Sie sich nun neue Saisonziele gesetzt?
Nein, die bleiben wie gehabt. Bei der U23-EM in Tallinn möchte ich bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden. Schließlich bin ich Titelverteidigerin. Die WM in Peking war ohnehin mein Ziel. Nun habe ich als zweite Deutsche nach Sosthene Moguenara die WM-Norm. Die Ausgangsposition ist also ganz gut.

18-Jährige ärgert die Großen >In Weinheim hat Gina Lückenkemper den deutschen 200-Meter-Spezialistinnen die Show gestohlen. Zum Abschluss der B&S Kurpfalz-Gala am Samstag war die 18-Jährige die schnellste 200-Meter-Läuferin des großen Feldes. Bei leichtem Gegenwind setzte sich die Sprinterin vom LAZ Soest in 23,54 Sekunden gegen die deutsche Frauen-Elite durch. In der Endabrechnung von neun Zeitläufen siegte die Schülerin vor Anna-Lena Freese (FTSV Jahn Brinkum) und Inna Weit (LC Paderborn; beide 23,68 sec) sowie der Münsteranerin Tatjana Pinto (LG Brillux Münster; 23,98 sec). Mit ihrer Siegerzeit unterbot die Soesterin natürlich ebenfalls die Norm für die U20-Europameisterschaften Mitte Juli in Eskilstuna (Schweden).

Wie gut die Frühform der jungen Sprinterin ist, hatte sie schon im 100-Meter-Vorlauf bewiesen. Mit 11,49 Sekunden lieferte Lückenkemper die schnellste U20-Zeit ab und steigerte ihre Bestzeit aus dem Vorjahr um fünf Hundertstel. „Super gelaufen. Gleich im ersten 100-Meter-Rennen des Jahres eine neue Bestzeit. Ich bin überglücklich und hundemüde nach den beiden Rennen“, jubelte Lückenkemper. Auf das Finale verzichtete die Schülerin im Hinblick auf den 200-Meter-Start.

Verzicht nach Hürden-Sturz > Für Celina Leffler war das Meeting am Samstag in Weinheim früher zu Ende als gedacht. Bei ihrem ersten von fünf geplanten Starts – dem Vorlauf über 100 Meter Hürden – kam die U18-Weltmeisterin im Siebenkampf nicht ins Ziel. Die Koblenzerin lief ins erste Hindernis und stürzte. „Es war eigentlich nicht so schlimm. Aber beim Aufwärmen für die 100 Meter habe ich ein leichtes Ziehen im Oberschenkel gespürt. Darum habe ich nach Absprache mit meinem Trainer auf weitere Starts verzichtet“, sagte die 19-Jährige. Celina Leffler hatte ursprünglich auf der bekannt schnellen Bahn in Weinheim je zwei Rennen über 100 Meter und 100 Meter Hürden sowie einen  Lauf mit der 4×100-Meter-Staffel des SSC Koblenz-Karthause bestreiten wollen.

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