Alina Reh: „Ich bin einfach nur dankbar, in Eugene dabei zu sein“

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Alina Reh, Deutsche Meisterin über 5000 Meter und WM-Starterin 2022
Alina Reh qualifizierte sich nach gesundheitlichen Rüclschlägen überraschend für die WM in Eugene. Für die 25-Jährige wird es bereits ihr dritter Start bei Weltmeisterschaften seit 2017. (Foto: Iris Hensel)

Noch im Frühjahr war ein WM-Start für Alina Reh (SCC Berlin) nicht denkbar. Aufgrund einer Herzmuskelentzündung durfte sie drei Monate lang nicht trainieren. Ganz überraschend lief die 25-Jährige dann Mitte Juni in Oslo mit 15:06,29 Minuten die WM-Norm über 5000 Meter. Im Interview spricht Alina Reh über die Vorbereitung auf die WM und ihre Ziele in Eugene, das laufverrückte Publikum im Hayward Field und warum sie mittlerweile entspannter in Rennen geht als noch in jüngeren Jahren.

Alina Reh, Sie sind seit einigen Tagen schon in den USA. Wie lief es im Vorbereitungstrainingslager in Santa Barbara?
Ich war seit dem 8. Juli für knapp zehn Tage in Santa Barbara. Ich habe mich ganz gut an die Zeitverschiebung angepasst und den Jetlag schnell überwunden. So lief dann auch das Training ganz ordentlich. Es standen auch noch einige Kilometer auf dem Programm, da ich ja bei der EM München die 10.000 Meter laufen will. Das Training bei gutem Wetter und auf einer richtig schönen Anlage hat großen Spaß gemacht.

Was steht bis zum WM-Vorlauf auf der Nacht zu Donnerstag (1:25 Uhr, MESZ) für Sie noch auf dem Programm?
Ich bin am Sonntag über Los Angeles nach Eugene geflogen. Dort werde ich nicht mehr so viel machen, außer am Dienstag ein normales Auftaktprogramm, damit die Beine bereit sind. Auch werde ich versuchen, viel WM-Stimmung aufzusaugen.

Alina Reh: „Selbst nach der WM-Norm war der WM-Start für mich noch nicht klar“

Eine Herzmuskelentzündung hat Sie im Winter ausgebremst und Sie durften drei Monate lang nicht laufen. Ist der WM-Start nach diesem herben Rückschlag in einer wichtigen Trainingsphase eine Art „Belohnung“ für Sie?
Das kann man so sagen. Ende März hätte ich nie gedacht, dass ich in Eugene dabei bin. Selbst die EM schien außer Reichweite. Darum probiere ich jetzt, alles aufzusaugen und mitzunehmen. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier bin und die Stimmung genießen kann. Die Leistung soll auch gar nicht absolut im Vordergrund stehen, sondern die Freude, wieder bei einer WM laufen zu können. Ich bin jetzt 25 Jahre alt und es ist seit 2017 meine dritte WM, das ist eine ordentliche Bilanz.

Wann haben Sie im Training gemerkt, dass der WM-Start trotz der Rückschläge für Sie noch möglich ist?
Ich bin Mitte Juni in Oslo mit 15:06,29 Minuten ja die WM-Norm gelaufen. Tatsächlich dachte ich zum damaligen Zeitpunkt, dass ich trotzdem auf die WM verzichten und mich auf die EM in München konzentrieren sollte. Ich weiß ja, wie das Weltniveau über 5000 Meter aussieht. Mit 15:06 Minuten wird man nicht unbedingt gut aussehen, das ist klar. Aber auch solche Erfahrungen muss man mitnehmen und dankbar sein. Darum habe ich mich für den WM-Start entschieden. Ich hatte in Oslo nicht zwingend mit der WM-Norm gerechnet. Vielleicht kommt das einfach, wenn die Lockerheit da ist und man nicht zwanghaft einer Norm hinterherrennt.

Eugene ist das „Herz“ der US-Leichtathletik und auch eine „Hauptstadt des Laufsports“. Was bedeutet es für Sie, im legendären Hayward Field dabei zu sein?
Das bedeutet mir eine Menge. Dieser besondere Austragungsort für einen Läufer war auch ein Grund dafür, dass ich mich für einen WM-Start entschieden habe. Im Hayward Field rennen zu dürfen, wird mit Sicherheit etwas ganz Besonderes. Ich freue mich ungemein auf das laufverrückte Publikum.

Ihre Saisonbestzeit steht bei 15:06,29 Minuten, Ihre persönliche Bestzeit aus dem Jahr 2019 bei 15:04,10 Minuten. Fühlen Sie sich in der Form, um erstmals unter der prestigeträchtigen 15-Minuten-Marke zu bleiben?
Über die 15-Minuten-Marke mache ich mir mittlerweile gar keine Gedanken mehr. In den vergangenen Jahren bin ich wahrscheinlich etwas zu verbissen rangegangen und wollte unbedingt diese Marke unterbieten. Dann bin ich natürlich enttäuscht aus jedem Rennen rausgegangen, bei dem es nicht geklappt hat. Es kommt, wie es kommt. Wenn es im Vorlauf klappen sollte, wäre das natürlich mega-cool. Wenn nicht, dann halt nicht. Wie gesagt: Ich gehe damit mittlerweile entspannter um als früher.

„Der Vorlauf bei der WM wird mein Finale“

Mit welcher Taktik gehen Sie den WM-Vorlauf an und welche Finalchancen haben Sie gegen starke Konkurrenz besonders aus Äthiopien und Kenia, aber auch gegen schnelle Europäerinnen?
Für mich wird der Vorlauf kein Vorlauf, sondern mein Finale. So gehe ich das Rennen an und muss es auch so angehen, da wird nicht groß taktiert. Um ins Finale zu kommen, muss ich mein bestes Rennen zeigen und einige Konkurrentinnen einen nicht so guten Tag erwischen. Ich muss alles in den Lauf reinlegen.

Nach der WM ist vor der EM: Wie bereiten Sie sich auf die EM in München vor? Die 10.000 Meter stehen bereits am ersten EM-Tag am 15. August auf dem Programm.
Deshalb habe ich in Santa Barbara noch eine ordentliche Trainingswoche hingelegt und habe nicht komplett auf Erholung gesetzt. So waren auch drei schnellere Einheiten dabei. Ganz wichtig wird die Nachbereitung des WM-Rennens. Da heißt es: gesund zurück nach Deutschland kommen. Denn die Rückreise wird lang und anstrengend. Ziel muss es sein, zu Hause wieder schnell in ein geregeltes Training einzusteigen.

Bei der EM 2018 in Berlin sind Sie über 10.000 Meter sensationell auf Rang vier ins Ziel gelaufen. Mittlerweile sind Sie aufgrund eines Dopingvergehens der drittplatzierten Läuferin sogar auf den Bronze-Platz nach vorn gerückt. Die Medaille haben Sie im Rahmen der DM Ende Juni eben im Berliner Olympiastadion erhalten. Welche Bedeutung hatte diese Übergabe für Sie und wie haben Sie sich dabei gefühlt?
Auch wenn nur noch wenige Zuschauer im Stadion waren, hat mich die Übergabe froh gestimmt und wirklich berührt. Dass mir der Moment in dem Stadion, in dem ich 2018 gelaufen bin, noch einmal geschenkt wurde, hat für Gänsehaut gesorgt. Der Stadionsprecher hat das auch richtig schön moderiert, sodass ich Tränen in den Augen hatte. Meine Mutter und mein Trainer waren im Stadion dabei, und ich durfte noch einmal auf die blaue EM-Bahn von 2018 hinunterblicken. Den Moment werde ich immer im Herzen tragen und wenn ich wieder zu Hause bin, die Medaille sicherlich noch einmal in die Hand nehmen.

 

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