Die große DM-Vorschau für Nürnberg

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Der nationale Höhepunkt der Leichtathletik-Saison steht vor der Tür. Bei den Deutschen Meisterschaften von Freitag bis Sonntag in Nürnberg werden nicht nur die Medaillengewinner ermittelt, sondern auch die Mannschaft für den internationalen Höhepunkt: die WM vom 22. bis 30. August in Peking (China). Mit von der Partie in Nürnberg ist auch ein Quartett des Trackteam Burg-Wächter: Lena Malkus, Maya Rehberg, Alina Reh und Patrick Zwicker. Gina Lückenkemper (LAZ Soest) verzichtet hingegen auf einen Start. Die frisch gekürte U20-Europameisterin über 200 Meter hatte vergangene Woche ins Eskilstuna fünf Rennen an drei Tagen bestritten. Nun heißt das Stichwort für die 18-Jährige: Regeneration.

Für Lena Malkus werden die Deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Nürnberg gleich zu einer doppelten Premiere. Die Weitspringerin vom SC Preußen Münster reist nicht nur erstmals als Jahresbeste zum nationalen Saisonhöhepunkt, sondern springt auch zum ersten Mal von einem erhöhten Anlaufsteg. Der Grund: Die Weitspringer ermitteln ihre Meister am Freitagabend mitten in der Nürnberger City. Der Hauptmarkt wird Schauplatz eines Leichtathletik-Spektakels. Die eigens installierte Tribüne bietet 4000 Fans Platz, dazu kommen einige Tausend Stehplätze.

„Ich bin schon ziemlich gespannt, wie ich auf dem Steg zurechtkomme“, schaut die 6,94-Meter-Springerin schon voller Vorfreude auf ihre ersten Titelkämpfe außerhalb des Stadions. Um Freitag um 18:30 Uhr beginnt das Weitsprung-Finale der Frauen. Und es verspricht ein hochkarätiges zu werden. Neben der Münsteranerin haben auch Sothene Moguenara (TV Wattenscheid; 6,94 m), Malaika Mihambo (LG Kurpfalz; 6,79 m), Xenia Stolz (Wiesbadener LV; 6,74 m) und Siebenkämpferin Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt; 6,73 m) die anspruchsvolle WM-Norm von 6,70 Metern bereits übertroffen. Dahinter lauert zudem Titelverteidigerin Melanie Bauschke (LAC Olympia Berlin; 6,59 m) auf ihre Chance. Trotz der starken Konkurrenz ist Malkus‘ Ziel klar definiert: „Ich möchte unter die besten drei kommen und mir so das WM-Ticket sichern.“

Am Sonntag tritt Lena Malkus in Nürnberg ein zweites Mal an. Dann – ganz traditionell – im Grundig-Stadion. Nach ihrer starken Verbesserung über 200 Meter auf 23,75 Sekunden zu Saisonbeginn hat die 21-Jährige auch über die halbe Stadionrunde gemeldet. Damit rangiert sie auf Platz sechs der Meldeliste. „Ich freue mich auf die 200 Meter und würde bei guten Bedingungen gern meine Bestzeit angreifen“, sagt die Münsteranerin. Gelingt ihr das im Vorlauf, ist ein Finalplatz am Sonntagnachmittag in Reichweite.

Die Europameisterin ist bei der DM in Nürnberg nicht dabei. Doch trotz des Fehlens der verletzten Antje Möldner-Schmidt (LC Cottbus) gibt’s im Grundig-Stadion über 3000 Meter Hindernis eine klare Favoritin: Gesa Felicitas Krause (LG Eintracht Frankfurt). Die EM-Dritte von 2012 steigerte sich vergangene Woche in Monaco auf starke 9:20,15 Minuten. „Gesa ist eine Klasse für sich und ganz klar die Goldfavoritin. Dahinter streiten sich drei, vier Läuferinnen um die weiteren Medaillen“, glaubt Maya Rehberg. Die Sechste der U23-EM von der SG TSV Kronshagen/Kieler TB zählt sich selbst zu diesen Läuferinnen. Schließlich liegt sie mit 9:56,25 Minuten auf Platz drei der deutschen Bestenliste knapp vor Cornelia Griesche (DJK Ingolstadt; 9:57,75 min) und rund zehn Sekunden hinter Sanaa Koubaa (TSV Bayer Leverkusen; 9:56,25 min).

Dazu gibt es zwei Läuferinnen, die Rehberg noch auf der DM-Rechnung hat: Jana Sussmann (LT Haspa Marathon Hamburg) und Annett Horna (LC Rehlingen). Sussmann, U23-EM-Zweite von 2011 und WM-Starterin im selben Jahr, hat 2015 nach einer Verletzung noch keine Zeit über 3000 Meter Hindernis stehen, dafür aber ein ordentliches Ergebnis über 5000 Meter. Sie darf mit einer Sondergenehmigung starten. Annett Horna wagte den Umstieg auf die Hindernisse. Ihre bisher erzielten 10:46,03 Minuten sind noch nicht wirklich schnell. Doch bei einer Spurtentscheidung könnte die ehemalige Deutsche 1500-Meter-Meisterin ihre Schnelligkeit ausspielen. Das Rennen um die Medaillen beginnt im Nürnberger Grundig-Stadion am Sonntag um 14:25 Uhr.

Die frisch gekürte Doppel-Europameisterin in der U20 hat noch Kraft für mehr: Alina Reh (TSV Erbach) startet am Samstag bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg. Es stehen erneut die 5000 Meter auf dem Programm. Diese Distanz und die 3000 Meter hatte die 18-Jährige vergangenes Wochenende in Eskilstuna gewonnen. Überraschenderweise geht die jüngste Starterin im riesengroßen Feld (36 Langstrecklerinnen sind gemeldet) mit der stärksten Saisonbestzeit ins Rennen. 16:01,08 Minuten war Reh Ende Mai in Koblenz gelaufen.

„Das hat aber nicht viel zu bedeuten“, rückt das Lauf-Talent die Verhältnisse zurecht und ergänzt: „Mit einem Platz unter den Top fünf kann ich sehr gut leben.“ Schließlich verweist die Doppel-Europameisterin auf die große Unbekannte im Feld: Sabrina Mockenhaupt. Der Wirbelwind von der LG Sieg hat sich von einer Fuß-OP gut erholt und plant mit einem DM-Start. Beschleunigt die 34-Jährige wie bei so vielen DM-Starts zuvor, wird wohl keine Konkurrentin folgen können. Allerdings fehlt „Mocki“ nach der Verletzung der Wettkampfrhythmus. Ihr letztes Rennen bestritt sie vor drei Monaten beim Hamburg-Marathon, ihren letzten Bahn-Wettkampf als EM-Sechste über 10.000 Meter vor rund elf Monaten in Zürich.

Hinter Alina Reh kommen rund ein Dutzend Läuferinnen mit Saisonbestzeiten bis 16:25 Minuten für die Medaillen infrage. Wird das Rennen nicht zu schnell, könnte die Mittelstrecklerin Hanna Klein (SG Schorndorf; 16:20,81 min) als endschnelle Läuferin eine gute Rolle spielen. Dass aber Alina Reh auch von der Spitze aus ein Feld auseinanderreißen kann, hat sie vergangenes Wochenende in Eskilstuna mit zwei Solosiegen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die ältere Konkurrenz wird am Samstagnachmittag auf jeden Fall gewarnt sein.

Die 800-Meter-Enstscheidung bei den Deutschen Meisterschaften am Wochenende in Nürnberg wird eine ganz enge Kiste. Hinter der klaren deutschen Nummer eins Robin Schembera (TSV Bayer Leverkusen; 1:45,48 min) folgt ein rundes Dutzend Läufer binnen anderthalb Sekunden. Dazu zählt auch Patrick Zwicker (LC Rehlingen). Der U20-Europameister von 2013 hat bisher nur wenige Saisonrennen bestritten und rangiert momentan mit 1:48,97 Minuten auf Platz 13 der Bestenliste.

Doch weder Zeit noch Platz beschreiben das wahre Potenzial des Studenten. Dass Patrick Zwicker in diesem Sommer noch nicht recht ins Rollen gekommen ist, hat einen einfachen Grund: Trainingsrückstand nach seiner langwierigen Knöchelverletzung. Zugezogen beim Hallen-Meeting Ende Januar in Düsseldorf. So konnte er bisher nie hundertprozentig fit in die Rennen gehen. Um aber genau das in Nürnberg zu tun, verzichtete der 21-Jährige in den vergangenen fünf Wochen auf Wettkämpfe und feilte lieber mit spezifischen Trainingseinheiten an seiner Form. Die Konkurrenz in Nürnberg dürfte auf einen deutlich stärkeren Patrick Zwicker treffen als es die Papierform vermuten lässt. Aufschlüsse darüber bringt schon der Vorlauf am Samstag. Dann werden aus den 38(!) gemeldeten 800-Meter-Läufern die zehn Finalisten ermittelt. Eine harte Auslese.

Die Startzeiten des Trackteam Burg-Wächter bei der DM in Nürnberg

Lena Malkus
Weitsprung
Finale       24. Juli (18:30 Uhr)

200 Meter
Vorlauf    26. Juli (13:23 Uhr)
Finale      26. Juli (16:40 Uhr)

Alina Reh
5000 Meter
Finale       25. Juli (18:00 Uhr)

Maya Rehberg
3000 Meter Hindernis
Finale        26. Juli (14:25 Uhr)

Patrick Zwicker
800 Meter
Vorlauf    25. Juli (14:25 Uhr)
Finale       26. Juli (15:05 Uhr)

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