DM-Vorschau: Trackteam-Quartett zwischen Titeljagd und Finalhoffnung

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Es ist angerichtet für olympischen Sport der Extraklasse. Bei „Die Finals 2022“ werden zwischen Donnerstag und Sonntag in Berlin in 14 Sportarten 190 Deutsche Meistertitel vergeben. Eindeutiger Höhepunkt: Die 122. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am Samstag und Sonntag im Berliner Olympiastadion. Wobei die Deutschen Meister im Kugelstoßen schon am Donnerstag und Freitag vor historischer Kulisse am Brandenburger Tor ermittelt werden.

Gina Lückenkemper reist in Top-Form nach Berlin

Ein DM-Highlight steht am Samstagabend auf dem Programm. Im 100-Meter-Finale wird um 19:30 Uhr die schnellste Frau Deutschlands gesucht. Die Titelfavoritin heißt nach ihren starken Vorstellungen der vergangenen Wochen Gina Lückenkemper. Die Vize-Europameisterin startet für den SCC Berlin und könnte für einen Heimsieg auf der blauen Bahn des Olympiastadions sorgen. Schließlich ist sie momentan mit ihrer Saisonbestzeit von 11,04 Sekunden der nationalen Konkurrenz um ein bis zwei Sprint-Schritte voraus.

„Ich bin in Florida im Training schon Zeiten gerannt, die für eine sehr gute Form gesprochen haben. Aber Training und Wettkampf sind komplett unterschiedlich. Ganz überraschend waren diese Zeiten nicht, aber sie waren auch nicht selbstverständlich so früh“, so Gina Lückenkemper, die in Berlin ihren dritten DM-Titel über 100 Meter nach 2017 und 2018 anpeilt.

Konkurrenz läuft noch der WM-Norm hinterher

Die stärksten Konkurrentinnen der 25-Jährigen dürften „alte Bekannte“ sein. So steigerte sich ihre gute Freundin und Staffelpartnerin Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) zuletzt auf 11,20 Sekunden. Damit unterbot sie wie Gina Lückenkemper schon die EM-Norm für München. Zur WM-Norm für Eugene fehlen ihr nur noch fünf Hundertstelsekunden. Als einzige deutsche Sprinterin hat Gina Lückenkemper in diesem Sommer bereits die WM-Vorgabe von 11,15 Sekunden unterboten.

Ebenfalls zu beachten ist natürlich die Olympia-Halbfinalistin Alexandra Burghardt (SB: 11,38 sec). Allerdings konnte die Burghausenerin in den vergangenen Wochen aufgrund einer Verletzung keine Wettkämpfe bestreiten. Hallenmeisterin Tatjana Pinto (TV Wattenscheid 01) ist erst mit Verspätung in die Saison eingestiegen. Ihren einzigen Wettkampf des Sommers absolvierte sie vor zehn Tagen in Marseille bei heftigem Gegenwind in 11,84 Sekunden. Für Lisa Marie Kwayie, eine weitere Lokalmatadorin aus Berlin, ist die Saison schon gelaufen, bevor sie richtig begonnen hat. Eine Muskelverletzung machte für sie alle EM- und WM-Pläne zunichte.

5000 Meter mit Alina Reh aber ohne Konstanze Klosterhalfen

Alina Reh (SCC Berlin) ist bereit für die Deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Berlin. Denn die EM-Dritte über 10.000 Meter kann auf eine steigende Formkurve setzen. So konnte sie im Saisonverlauf bereits die WM-Norm über 5000 und die EM-Norm über 10.000 Meter unterbieten. Jeweils mit der zweitschnellsten Zeit ihrer Karriere.

Die Entscheidung über 5000 Meter steht als eins der letzten Rennen am Sonntagnachmittag (17:57 Uhr) auf dem Programm. Eigentlich wäre Konstanze Klosterhalfen die klare Gold-Kandidatin. Doch die deutsche Rekordlerin vom TSV Bayer 04 Leverkusen musste aufgrund einer Covid-Infektion kurzfristig passen. „Das ist sehr schade, dass sie nicht dabei sein kann. Ich wünsche ihr eine schnelle Genesung“, so Alina Reh.

Wagt Hanna Klein den Doppelstart?

Damit – so weiß auch die Laichingerin – werden die Karten über 5000 Meter neu gemischt. Mit ihrer Saisonbestzeit von 15:06,29 Minuten liegt Alina Reh auf Platz zwei der Meldeliste. Nur die Tübingerin Hanna Klein (14:51,71 min) war in dieser Saison schneller. „Man muss abwarten, welche Strecke Hanna läuft oder sich für einen Doppelstart über 1500 und 5000 Meter entscheidet. Wenn sie das macht, wird sie sicherlich nicht viel fürs Tempo machen, da sie sehr spurtstark ist“, blickt Alina Reh auf die längste Laufstrecke der DM voraus.

Eine weitere starke Läuferin ist Sara Benfares. Die Rehlingerin konnte sich in diesem Jahr auf 15:24,71 Minuten verbessern. Ebenfalls zu beachten ist Eva Dieterich. Die 10.000-Meter-Spezialistin vom Laufteam Kassel hat sich in diesem Jahr ebenfalls deutlich gesteigert. „Mein Ziel ist es, locker zu bleiben und ein schönes Rennen zu laufen. 2018 hatte ich dieses positive Gefühl im Olympiastadion. Das würde ich gern wiederholen“, so Alina Reh, die vor vier Jahren eben im Olympiastadion EM-Bronze über 10.000 Meter gewann.

DM-Debüt für Marie Scheppan

Marie Scheppan (LC Cottbus) zählte in den Jugendklassen zu den hoffnungsvollsten deutschen 400-Meter-Läuferinnen. Doch in den vergangenen Jahren wurde sie immer wieder von Problemen ausgebremst. Mit nun 21 Jahren feiert sie am Wochenende ihr Debüt auf großer Leichtathletik-Bühne – den Deutschen Meisterschaften im Rahmen von „Die Finals“ im Berliner Olympiastadion.

Als 23. der Meldeliste hat die Cottbuserin so gerade eben einen Startplatz im Feld der 24 besten deutschen Viertelmeilerinnen ergattert. Doch trotzdem hat Marie Scheppan große Ziele. „Klar würde ich gern ins Finale laufen. Doch das wird sehr, sehr schwer. Mein Ziel ist es, meine Saisonbestzeit von 54,69 Sekunden zu steigern. Am liebsten soll eine 53 vor dem Komma stehen“, so die U18-EM-Zweite von 2018. Die Vorläufe stehen am Samstag um 16:40 Uhr auf dem Programm.

Corinna Schwab die Top-Favoritin

Wenn das gelingt, darf Marie Scheppan durchaus zufrieden sein. Schließlich blieb sie letztmals vor drei Jahren unter der 54-Sekunden-Marke. Das ist in diesem Sommer bereits 14 Läuferinnen gelungen, die in Berlin dabei sind. Angeführt wird die deutsche Bestenliste mit einer Sekunde Vorsprung von Corinna Schwab. Die Chemnitzerin lief zuletzt mit 51,21 Sekunden so schnell wie keine andere Deutsche seit 20 Jahren. Damit ist sie im Olympiastadion klare Favoritin auf Gold im Finale am Sonntagnachmittag.

Oliver Koletzko vor Premiere im Olympiastadion

Das Weitsprung-Finale der Männer steht bei den 122. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Berlin schon am Sonntagvormittag (11:35 Uhr) auf dem Programm. Mit Oliver Koletzko (Wiesbadener LV) fordert ein Youngster die arrivierten Springer. „Ich freue mich riesig auf meinen ersten Start im Olympiastadion“, blickt der U20-Europameister voraus.

Zwei Wettkämpfe hat der 18-Jährige in diesem Sommer erst bestritten. Mit 7,46 Metern rangiert er weit hinten unter den zwölf gemeldeten Weitspringern. „Bei den beiden Starts waren die Bedingungen nicht einfach. Außerdem lief das Training zuletzt ziemlich gut. Darum gehe ich positiv in die Meisterschaften und bin gespannt, was ich leisten kann“, so der Schüler.

Wer knackt die acht Meter?

Einen Top-Favoriten auf DM-Gold im Weitsprung gibt es diesen Sommer nicht, genauso wenig wie Acht-Meter-Sprünge. Bis auf sieben Zentimeter heran kam Maximilan Entholzner (LAC Passau) vor zwei Wochen in seiner Wahlheimat Spanien. Damit geht der Acht-Meter-Springer in einer guten Ausgangsposition ins Rennen um seinen zweiten DM-Titel nach 2020.

Bereits viermal stand Fabian Heinle (VfB Stuttgart) ganz oben auf dem DM-Podest, zuletzt 2021. In diesem Sommer kam der Vize-Europameister noch nicht über 7,68 Meter hinaus. Allerdings hat der Stuttgarter Ende Mai in Weinheim mit 7,95 Metern bei zu viel Rückenwind (+3,0 m/sec) sein großes Potenzial angedeutet. Mit einem Sonderstartrecht ist Julian Howard (LG Region Karlsruhe) gemeldet. Der Deutsche Meister von 2017 bestreitet in Braunschweig seinen ersten Wettkampf seit der DM 2020. Ebenfalls mit dabei ist Markus Rehm (TSV Bayer Leverkusen). Der Paralympicssieger hatte zuletzt seinen Weltrekord in der Klasse T64 auf 8,66 Meter verbessert. Er wird separat gewertet und sehr wahrscheinlich für die weitesteten Sprünge im Olympiastadion sorgen.

TV-Tipp

Die Leichtathletik-DM am Wochenende im TV übertragen und live gestreamt. Am Samstag (25. Juni) ist die DM von ca. 13:15 bis 13:35 Uhr und von ca. 18:05 bis 19:40 Uhr in der ARD zu sehen. Das ZDF sendet am Sonntag (26. Juni) von ca. 13:29 bis 13:45 Uhr, ca. 16:33 bis 16:56 Uhr und ca. 17:52 bis 18:52 Uhr. Zudem gibt es Livestreams von beiden Sendern.

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