Falk Wendrich: „Im WM-Finale ist viel möglich“

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Falk Wendrich ist der deutsche Hochsprung-Aufsteiger. Vor zwei Jahren sprang der 17-Jährige vom LAZ Soest noch 1,96 Meter. Mittlerweile ist er bei 2,20 Metern angelangt. Im Interview spricht der begeisterte Schlagzeuger über seine Ziele bei der am Dienstag beginnenden U20-WM in Barcelona, seine Lockerheit auf und neben der Anlage sowie den U18-Rekord von Dietmar Mögenburg.

Falk Wendrich, am Mittwochabend (18:40 Uhr) starten Sie in der Hochsprung-Qualifikation bei der U20-WM in Barcelona und damit bei Ihrer ersten großen internationalen Nachwuchsmeisterschaft. Sind Sie schon nervös?
Nervös war ich ehrlich gesagt noch nicht. Das liegt aber auch daran, weil ich vergangenen Donnerstag meine erste Orchesteraufführung absolviert habe und mich das Proben und der Auftritt von der Leichtathletik abgelenkt haben, was auch durchaus von Vorteil sein kann. Von da an lag der Fokus aber voll auf der WM und spätestens, seit ich am Sonntag in den Flieger nach Barcelona gestiegen bin, habe ich das erste Bauchkribbeln gespürt.

Sie sind generell ein ziemlich lockerer Typ. Woher nehmen Sie mit gerade mal 17 Jahren diese Entspanntheit?

Hochsprung ist das, was mir Spaß macht und ich daher nicht total verbissen sehe. Generell alles vorauszuplanen oder verspannt an Dinge heranzugehen, liegt mir nicht. Im Wettkampf geschehen oft Sachen, die so nicht geplant sind. Eine gute Vorbereitung ist wichtig, aber man darf die Lockerheit und Spontanität nicht verlieren.

Wie sind Sie eigentlich zum Hochsprung gekommen?
Meine älteren Geschwister haben alle im Leichtathletik-Verein trainiert. Da ich alles meiner Schwester nachgemacht habe, war ich auch bald angemeldet. Als Zwölfjähriger habe ich dann alle anderen Sportarten an den Nagel gehängt und mich für die Leichtathletik entschieden.

Sie werden bei der U20-WM im Olympiastadion von 1992 starten. Sind Sie schon einmal in so einem großen Stadion gesprungen?
Nein, noch nie bin ich in einem so fulminanten Stadion gesprungen. Ich freue mich ungemein auf ein Wettkampfgefühl, das ich bis jetzt noch nicht kenne.

Vor 20 Jahren wurden in Barcelona mit Javier Sotomayor und Heike Henkel zwei Hochsprung-Legenden Olympiasieger. Haben Sie sich schon mal die Sprünge von damals angeschaut und können Sie sich davon noch etwas abschauen?
Ich sehe mir oft Sprünge im Internet der ehemaligen bzw. heutigen Spitzenathleten an, versuche aber niemanden nachzuahmen, sondern eher meine persönliche Bewegungsvorstellung und meinen ganz persönlichen Sprungstil zu entwickeln. Dass man bestimmte – von Topathleten perfekt ausgeführte – technische Details ebenfalls versucht umzusetzen,  ist ganz normal.

Die besten deutschen Hochspringer haben momentan mit massiven Verletzungsproblemen zu kämpfen. Wie steht es um Ihre Gesundheit?

Ich habe mir nach der Hallensaison das Außenband im Knöchel gerissen. Die Verletzung hatte auch den Vorteil, dass ich mich auf meinen bisherigen Schwachpunkt, die Rumpfkraft, konzentrieren konnte. Jetzt bin ich völlig schmerzfrei, habe einen stabilen Rumpf und hoffe in den letzten Monaten der Saison noch ein bisschen spritziger zu werden.

Vor zwei Jahren stand Ihre Bestleistung bei 1,96 Metern, mittlerweile sind Sie bei 2,20 Metern angekommen. Können Sie diese Steigerung erklären?
Ich glaube die Leistungsexplosion hängt eng mit meiner physischen Entwicklung zusammen. Wachstum und Kraftzuwachs ziehen automatisch mehr Leistung nach sich. Außerdem hat sich meine Technik in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Das liegt an tollen Trainern, die ebenfalls eine gute Erklärung für den Leistungszuwachs sind. Als letzter Punkt darf auch niemals der Ehrgeiz in Training und Wettkampf fehlen, selbst wenn gerade mal niemand zuschaut.

2,20 Meter konnten – Sie eingeschlossen – in diesem Jahr weltweit schon zehn U20-Hochspringer meistern. Wie sehen Sie ihre Chancen in Barcelona?

Ich bin davon überzeugt, dass ich die Qualifikation überstehen werde. Das Finale ist mein Ziel. Speziell bei jungen Springern kann dann viel passieren, auch wenn dieses Jahr das Hochsprung-Feld wirklich stark ist. Deshalb möchte ich das Springen möglichst genießen und freue mich darauf, gegen die besten Junioren der Welt anzutreten und vielleicht zu überraschen.

Drei Konkurrenten reisen mit Bestleistungen von 2,28 Metern an. Werden unter ihnen die Medaillen vergeben?
Das Trio ist auf jeden Fall favorisiert. Aber wie eben schon gesagt, kann im Finale alles passieren. Plötzlich taucht jemand auf, den niemand auf der Rechnung hatte, oder einer der Favoriten kommt nicht mehr an seine Leistung heran. Es wird auf jeden Fall spannend.

Die deutsche U18-Bestleistung von Dietmar Mögenburg steht seit 1978 bei 2,23 Metern. Haben Sie diese Marke ins Visier genommen, vielleicht schon in Barcelona?

Es wäre ein Traum, diese Marke zu brechen und ich glaube, dass ich das Potenzial  besitze. Wenn technisch alles sauber läuft und das Wetter passt, kann es schon in Barcelona einen Angriff geben.

Die Startzeiten von Falk Wendrich in Barcelona

Hochsprung-Quali    11.07. (18:40 Uhr)
Hochsprung-Finale    13.07. (18:30 Uhr)

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