Gina Lückenkemper: „Die 10 vor dem Komma ist kein Traum mehr, sondern ein Ziel“

Eingetragen bei: Gina Lückenkemper, News | 0

IMG_3989Über Zeulenroda und Oordegem nach Rom und Oslo: Sprinterin Gina Lückenkemper (LG Olympia Dortmund) misst sich in den kommenden Wochen erstmals in den Premium-Meetings der Diamond League mit den Besten der Zunft. Im Interview spricht die 20-Jährige über ihre Erwartungen, erklärt, warum für einen Top-Sprint viele Puzzleteile zusammenpassen müssen und glaubt, dass für sie über 100 Meter eine Zeit unter elf Sekunden bei einem optimalen Rennen in der Zukunft möglich ist. Das hat seit 26 Jahren keine deutsche Sprinterin mehr geschafft.

Gina Lückenkemper, ereignisreiche Wochen stehen für Sie an: Freuen Sie sich auf Ihre ersten beiden Starts in der Diamond League am 8. Juni in Rom über 100 und eine Woche später in Oslo über 200 Meter oder steigt schon die Nervosität?
Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Rennen (lacht). Nervös bin ich deswegen aber nicht. Die Vorfreude überwiegt.

Wie haben Sie reagiert, als Sie die Startzusage für die Premium-Meetings erhalten haben?
Ich war nicht zu Hause und habe daher sofort meine Eltern angerufen, um ihnen von den tollen Neuigkeiten zu erzählen.

„Ein Traum geht in Erfüllung“

Haben Sie in den vergangenen Jahren die Diamond League im Fernsehen verfolgt und irgendwann kam der Punkt, an dem Sie gedacht haben: „Ja, da will ich auch unbedingt mal starten.“
Wenn die Diamond League im Fernsehen kam und ich Zeit hatte, habe ich es eigentlich immer geschaut. Und es war immer mein Traum, dort selbst zu laufen. Nun wird er wahr, ich kann es kaum erwarten.

Am Donnerstag geht der Traum in Erfüllung. Die Reisen nach Rom und Oslo treten Sie aber ohne Ihren Trainer Uli Kunst an. Gibt es vor den Starts noch eine Art „Ferncoaching“?
Das ist kein Problem. Sollte ich Probleme haben oder wen zum Quatschen brauchen, kann ich Uli jederzeit anrufen. Auch in der Nacht vor dem Rennen. Außerdem sehe ich ihn ja zwischen Rom und Oslo, wenn wir am 11. Juni mit der Nationalstaffel in Hengelo starten.

Blicken wir auf die bisherige Saison: Die WM-Norm über 100 Meter haben Sie bereits voll erfüllt und führen mit 11,04 Sekunden die deutsche Bestenliste an. Was ist für Sie in Rom und in den kommenden Rennen noch möglich?
Das Rennen in Zeulenroda war mit 11,04 Sekunden schnell. Ganz klar. Aber noch lange nicht perfekt. Wenn einfach einmal alles passt, dann wird es auch noch mal schneller werden. Davon bin ich überzeugt. Allerdings kann man diesen Tag X ja nicht im Voraus planen. In den kommenden Rennen wird sich zeigen, in welche Richtung es gehen kann.

Wenn man Ihre Läufe auf Video sieht und mit denen aus den Vorjahren vergleicht, ist Ihre ohnehin schon gute Beschleunigungsphase noch besser geworden. Wie lautet Ihr Geheimrezept?
Akribisches Arbeiten, hauptsächlich am Start und an der Sprinttechnik. Und es stimmt: Es passt langsam alles immer besser zusammen.

„Ich brauche das perfekte Rennen“

Sie sind nun schon zweimal 11,04 Sekunden über 100 Meter gelaufen. Träumen Sie von einer 10 vor dem Komma oder ist das schon ein erklärtes Ziel?
Die 10 vor dem Komma ist definitiv kein Traum mehr, sondern ein Ziel! Aber wer weiß, wann es so weit sein wird. Wie schon gesagt: Dafür brauche ich das perfekte Rennen bei perfekten Bedingungen.

Sie denken an eine 100-Meter-Zeit unter elf Sekunden – was seit 1991 keine deutsche Sprinterin mehr geschafft hat –, mussten sich vergangenen Samstag in Oordegem aber mit für Sie unbefriedigenden 23,04 Sekunden über 200 Meter begnügen. Woran lag’s?
In beiden Rennen – auch bei den 100 Metern in 11,31 Sekunden – hatte ich einige technische Fehler. Das hat Zeit gekostet und mich im Nachhinein ziemlich geärgert.

Sie hatten in Oordegem auf den 100 Metern eine halbe Sekunde Vorsprung, auf den 200 Metern sogar acht Zehntel. War die fehlende Konkurrenz ein Faktor?
Das kam hinzu. Mir ist es sehr schwergefallen, allein so weit vor dem Feld zu laufen, ohne gefordert zu werden. Normalerweise bin ich es ja, die das Feld von hinten aufrollt (lacht).

Kommen wir noch einmal zu den 200 Metern. Die WM-Norm steht bei 22,85 Sekunden. Ist die in Oslo fällig?
Die Norm ist in Oslo das große Ziel. In jedem Fall will ich dort unter 22,85 Sekunden laufen.

Ihre Bestzeit steht bei 22,67 Sekunden. Haben Sie eine 200-Meter-Zeit im Kopf, die Sie 2017 auf die Bahn bringen möchten?
Keine konkrete Marke. Es soll auf jeden Fall eine neue Bestzeit her, das ist diese Saison ein Muss für mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.