Gina Lückenkemper im Interview: „Die Zeiten sind der Wahnsinn“

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Neue Bestzeit ueber 200m: 22,67s; Gina Lueckenkemper (LG Olympia Dortmund); Laufnacht der LG Telis Finanz und Sparkas; Laufnacht der LG Telis Finanz und Sparkassen Gala 2016 am 05.06.2016 im Unistadion in Regensburg (Deutschland). Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Axel Kohring
Jubel pur: Gina Lückenkemper schrie in Regensburg ihre Freude über 22,67 Sekunden heraus. So schnell war keine deutsche Sprinterin über 200 Meter seit 17 Jahren! (Foto: BEAUTIFUL SPORTS)

Vergangene Woche 11,13 Sekunden über 100 Meter, am Sonntag bei der Sparkassen-Gala in Regensburg zunächst Weltjahresbestzeit mit der 4×100-Meter-Staffel (42,00 sec) und eine Stunde später mit 22,67 Sekunden die schnellste Zeit einer deutschen 200-Meter-Läuferin seit 1999 (Andrea Philipp; 22,25 sec): Sprint-Ass Gina Lückenkemper (LG Olympia Dortmund) reitet momentan auf der Tempowelle. Im Interview spricht die 19-Jährige nach drei Olympia-Normen über ihren schon fast unheimlichen Lauf, ihre Ziele für die Saison und warum speziell über 200 Meter noch Luft nach oben ist.

Gina Lückenkemper, herzlichen Glückwunsch zu Ihren famosen Leistungen der vergangenen Wochen. Müssen Sie sich eigentlich manchmal kneifen, um zu realisieren, was zuletzt passiert ist? 11,13 Sekunden über 100 Meter, 22,67 Sekunden über 200 Meter und glatte 42,00 Sekunden mit der Staffel. Das sind Weltklassezeiten …
… so ganz begriffen habe ich das wirklich noch nicht. Die Zeiten sind einfach nur der Wahnsinn.

Sie haben wegen des Abiturs auf die Hallensaison verzichtet. Wussten Sie trotzdem, dass Ihre Form so gigantisch gut ist?
Ich weiß ja, dass ich gut trainiert habe, Das zahlt sich eben aus. Mein Trainer Uli Kunst hat mich während des Abi-Stress‘ optimal betreut und mir die Pausen gegeben, die mein Körper und mein Kopf einfach brauchten.

Sie sind Ihre Lieblingsstrecke – die 200 Meter – knapp elf Monate nicht gelaufen. Haben Sie in Regensburg 22,67 Sekunden für möglich gehalten?
Ich war echt gespannt auf die 200 Meter. Mein letztes Rennen war ja schließlich das Finale der U20-Europameisterschaften. Und das war am 18. Juli 2015. Dass es schon in Regensburg so genial geil läuft, hatte ich mir erhofft, aber ehrlich gesagt nicht wirklich damit gerechnet. Meine Beine haben sich einfach tierisch gefreut, mal wieder die 200 Meter zu laufen!

Wie hat sich das Rennen angefühlt?
Gut. Aber ich denke, es geht noch besser. Die ersten 30 Meter waren nicht so berauschend, erst danach habe ich wirklich ins Rennen gefunden. Aber dann ging‘s ab! Bis 160 Meter lief’s prächtig, dann wurden die Beine müde. Aber es war nicht so schlimm, wie ich es nach der langen „200-Meter-Pause“ erwartet hatte.

Können Sie sich Ihre Steigerung um fast vier Zehntel von 23,04 auf 22,67 Sekunden erklären?
Na ja, dass ich schneller als 23,04 Sekunden laufen kann, hatte sich ja schon 2015 bei der U20-EM mit 22,41 Sekunden bei 2,6 Meter pro Sekunde Rückenwind angedeutet. Wenn ich nach Schweden noch einen Lauf gemacht hätte, wäre auch der sehr wahrscheinlich unter 23 Sekunden gewesen. Fakt ist, dass wir im Training wohl einiges richtig machen.

Sie haben nun die Olympia-Normen über 100 und 200 Meter erfüllt und zählen natürlich auch zur deutschen Sprint-Staffel. Auf welche Strecke legen Sie in den kommenden Monaten Ihr Augenmerk?
Ich werde überwiegend die 200 Meter laufen. Mir macht die Strecke einfach mehr Spaß als die 100 Meter. Ich liebe es zu sprinten, aber durch die Kurve zu rasen und dann auf die Gerade zu kommen, ist immer noch das schönste Gefühl für mich.

Welche Rennen stehen in den kommenden Wochen für Sie an. Mittlerweile sind Sie ja eine Kandidatin für die großen Meetings …
… ich laufe am Dienstag vor der DM in Kassel noch bei „Spitzen Leichtathletik“ in Luzern die 200 Meter. Danach folgen Schlag auf Schlag die Deutschen Meisterschaften, die EM und die Olympischen Spiele. Da bleibt für weitere Meeting-Starts bis Rio keine Zeit.

11,13 und 22,67 Sekunden sind schon starke Bestzeiten. Trauen Sie sich noch weitere Steigerungen zu?
Über 100 Meter wird es schwierig werden. Aber wenn ich meinen Start noch weiter verbessere, könnte da auch noch etwas gehen. Speziell bei der Reaktionszeit sehe ich noch Potenzial. Über 200 Meter sieht es anders aus. Das Rennen in Regensburg war noch lange nicht perfekt. Da traue ich mir noch etwas mehr zu, auch in diesem Jahr. Wie schnell es noch werden kann, wird sich zeigen. Ich freue mich jedenfalls ungemein auf die nächsten Rennen.

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