Gina Lückenkemper vor der Hallen-DM: „Hundertstel werden entscheiden“

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Kann 2017 auch mit den besten 60-Meter-Läuferinnen mithalten: Gina Lückenkemper lief beim ISTAF Indoor auf Platz drei. (Foto: Iris Hensel)

Gina Lückenkemper macht 2017 dort weiter, wo sie 2016 aufgehört hat. Beim PSD Bank Meeting in Düsseldorf als auch beim ISTAF Indoor in Berlin war die Sprinterin der LG Olympia Dortmund schnellste Deutsche über 60 Meter. Im Interview spricht die 20-Jährige über ihre Premiere bei den großen Hallen-Meetings und ihre Ziele bei der Hallen-DM am kommenden Wochenende in Leipzig. Außerdem verrät die EM-Dritte über 200 Meter, wie sie eine Technik-Umstellung beim Start nach vorn gebracht hat.

Gina Lückenkemper, die 60 Meter sind doch gar nicht Ihre Strecke ….
… ja, das stimmt eigentlich. Aber in diesem Winter klappt es ja erstaunlich gut (lacht).

Sie sind mit einer Bestzeit von 7,50 Sekunden in die Hallensaison gestartet und sind nun schon bei 7,19 Sekunden angelangt. Haben Sie diese enorme Steigerung für möglich gehalten?
Meine 100-Meter-Zeiten aus dem Vorjahr kommen halt nicht von ungefähr. Und wenn man über 100 Meter schnell sein will, muss man auch über 60 Meter mithalten können. Außerdem stammt meine alte Bestzeit aus dem Januar 2015. Es war zu erwarten, dass es schneller wird. Die alte Bestzeit war hinfällig.

Welche Gründe gibt’s für Ihre rasante Entwicklung?
Wir scheinen im Training nicht allzu viel falsch gemacht zu haben (lacht). Außerdem haben wir ordentlich an der Sprint-Technik gefeilt.

Womit wir beim Thema wären: Wer genau aufgepasst hat, wird’s bei den Meetings in Düsseldorf und Berlin bemerkt haben. Sie starten seit diesem Jahr mit dem rechten Fuß vorn im Startblock, nicht mehr mit dem linken. Wie kam’s zu dieser Umstellung?
Mein Trainer Uli Kunst legt großen Wert darauf, dass beide Seiten trainiert werden. Deswegen lässt er mich schon immer Abläufe mit beiden Beinen machen, einmal ist das linke Bein vorn, beim nächsten Lauf das rechte. Dabei ist meinem Trainer früh aufgefallen, dass die Technik mit meinem vermeintlich „falschen“ Bein – also dem rechten vorn – viel sauberer und besser war als mit dem linken Bein vorn. Zunächst hat es sich für mich komisch und einfach nur falsch angefühlt. Mittlerweile ist es mir egal, welches Bein vorn ist. Die Bewegungen sind auf beiden Seiten automatisiert.

Aber Abläufe im Training sind etwas anderes als Wettkampf-Starts.
Das stimmt. Als es mit den Abläufen so gut geklappt hat, ist mein Trainer auf die Idee gekommen, das Ganze auch aus dem Startblock zu probieren. Bei den ersten Versuchen lag ich fast auf der Nase, so ungewohnt war es. Aber von Mal zu Mal wurde es besser. Mein Trainer hat dann schnell festgestellt, dass auch aus dem Startblock mit dem rechten Fuß vorn die Technik besser ist. Ich hatte das Glück, so die Technik von Grund auf neu zu lernen, da ich sonst in meinem ganzen „Sprint-Leben“ noch nie so im Block gesessen hatte.

Wie lange hat der Umstellungsprozess gedauert?
Wir haben das komplette vergangene Jahr im Training herumgespielt. Mal habe ich einen Start mit dem linken Fuß vorn gemacht, dann den nächsten mit dem rechten vorn und so weiter. Auch bei Wettkämpfen habe ich angefangen, meine Probestarts mit rechts vorn zu machen. Dadurch bin ich über die Monate immer sicherer geworden, sodass wir entschieden haben, es auch im Wettkampf zu probieren. Und es funktioniert!

Außerdem nehmen Sie nun beim Start Ihre Arme deutlich explosiver mit als in den Vorjahren.
Ja, das spielt auch eine Rolle. Wir versuchen zumindest, den Armeinsatz zu verbessern. Es gelingt aber leider noch nicht immer.

Trotz der Verbesserung beim Start liegen Sie im ersten Streckenteil noch immer deutlich hinten. Wie schaffen Sie es, in einem 60-Meter-Rennen von nur sieben Sekunden nicht zu verkrampfen und noch nach vorn zu laufen? Wie beispielsweise bei Ihrem Vorlaufsieg in Düsseldorf auf der „Außenseiter-Bahn“ acht.
Ich bin ja bekanntlich eine der letzten, die den Block verlässt (lacht). Da bin ich es gewohnt, auf den ersten Metern hinterherzurennen. Ob es 60 Meter oder 100 Meter sind, macht für mich keinen Unterschied. Wir wissen auf jeden Fall, dass auf den ersten Metern noch viel Potenzial in mir steckt.

Sie absolvieren momentan Ihre erste Hallensaison mit Starts bei großen Meetings. Wie haben Sie das PSD Bank Meeting in Düsseldorf und das ISTAF Indoor vor mehr als 12.000 Fans erlebt?
Beide Meetings haben mir sehr viel Spaß gemacht. Gerade das ISTAF Indoor bietet eine ganz besondere Atmosphäre, den Leichtathletik-Fans wird ein spektakuläres Kompakt-Programm geboten mit nationalen wie internationalen Stars. Mir gefallen die großen Hallen-Wettkämpfe richtig gut, auch wenn die 60 Meter für mich nach wie vor zu kurz sind.

Nach Berlin ist vor Leipzig: Sie sind als 200-Meter-Spezialistin plötzlich Medaillenkandidatin auf den 60 Metern, wenn nicht sogar Titelkandidatin für die Hallen-DM. Macht Sie das nervös?
Nein, gar nicht. Vielmehr freue ich mich auf die Rennen in Leipzig gegen starke Konkurrenz, sofern ich über 60 Meter starte.

Steht denn noch ein Fragezeichen hinter Ihrem Start?
Ja, denn ich schreibe am Mittwoch an der Uni noch eine wichtige Klausur. Final entscheide ich über den Einzelstart erst danach.

Angenommen Sie starten: Welche Konkurrentinnen haben Sie in Leipzig besonders auf der Rechnung. Sechs Sprinterinnen haben ja über 60 Meter schon die Hallen-EM-Norm von 7,28 Sekunden unterboten!
Aus dem Sextett können alle das Rennen machen, es werden wenige Hundertstel entscheiden. Dazu kommt Tatjana Pinto, die in dieser Hallensaison noch nicht gelaufen ist, mit 7,07 Sekunden aber die mit Abstand schnellste Bestzeit aufweist und für Leipzig gemeldet ist. Bei Deutschen Meisterschaften gab es ja schon häufig deutliche Steigerungen. Ich bin gespannt, wer sich in Leipzig verbessern kann und für eine Überraschung gut ist. Vielleicht gehöre ich ja dazu?

Auch mit der 4×200-Meter-Staffel der LG Olympia Dortmund haben Sie Medaillenchancen. Mit 1:36,93 Minuten führt das LGO-Quartett die deutsche Bestenliste an. Was rechnen Sie sich aus?
Eigentlich sollte eine Medaille für uns möglich sein. Aber dafür müssen wir den Stab erstmal viermal um die Runde bringen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass viele Vereine vor der Hallen-DM noch nicht in Bestbesetzung gelaufen sind.

Klappt es in Leipzig mit dem Sprint aufs 60-Meter-Podest würde es für Sie sehr wahrscheinlich zur Hallen-EM gehen. Planen Sie denn mit einem Start in Belgrad?
Nein, die Hallen-EM stand schon vor der Hallensaison nicht auf unserem Fahrplan für 2017.

Dann können wir ja schon Richtung Sommer blicken: Auf welche Strecke wird sich Gina Lückenkemper konzentrieren. Auf die 100 Meter oder auf Ihre Lieblingsstrecke, die 200 Meter?
Das steht noch nicht fest. Ich werde wieder beide Strecken laufen. Welche es überwiegend wird, werden die ersten Ergebnisse zeigen.

Ihre Hausrekorde stehen bei 11,04 und 22,67 Sekunden. Welche Zeiten halten Sie in diesem Jahr für möglich?
Über 100 Meter sollen es wieder niedrige 11er-Zeiten werden. Eine neue Bestzeit wird nicht einfach, da 11,04 Sekunden ja schon eine enorme Qualität aufweisen. Auf den 200 Metern soll es aber definitiv schneller werden als 22,67 Sekunden.

 

Gina Lückenkempers Startzeiten bei der Hallen-DM in Leipzig

60 Meter
Samstag, 18.02.    Vorlauf (15:15 Uhr)
Samstag, 18.02.    Zwischenlauf (17:00 Uhr)
Samstag, 18.02.    Finale (18:20 Uhr)

4×200 Meter
Sonntag, 19.02.    Zeitendläufe (17:00 Uhr)

 

TV-Tipp: Die Hallen-DM wird am Samstag von 16:15 bis 18:30 Uhr und am Sonntag von 15:15 bis 17:00 live auf Eurosport übertragen.

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