In Weinheim in die Weltklasse

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Siegesschrei nach der Sensation: Gina Lückenkemper ließ in Weinheim ihrer Freude freien Lauf. Die 19-Jährige steigerte sich über 100 Meter von 11,25 auf 11,13 Sekunden und stürmte in die erweiterte Weltspitze (© Beautiful Sports)

In Weinheim mitten in die Weltklasse: Am Samstagnachmittag hat Gina Lückenkemper (LG Olympia Dortmund) einen weiteren großen Schritt vom Sprint-Talent hin zu einer Top-Läuferin gemacht! Die 19-Jährige steigerte bei der „B&S Kurpfalz-Gala“ im Weinheimer Sepp-Herberger-Stadion ihre 100-Meter-Bestzeit gleich zweimal: von 11,25 im Vorlauf auf 11,18 Sekunden. Und im Finale dann sogar auf 11,13 Sekunden! Als Gina Lückenkemper als Siegerin über den Zielstrich stürmte, ließ die Abiturientin ihrer Freude mit einem lauten Schrei freien Lauf.

Um die Zeit eizuordnen: Nur eine deutsche Sprinterin war seit der Jahrtausendwende schneller: Verena Sailer mit 11,02 Sekunden. Zusammen mit der Ende vergangenen Jahres zurückgetretenen Mannheimerin war Gina Lückenkemper bei der WM 2015 in Peking zu Platz fünf über 4×100-Meter gestürmt. Die befürchte große Lücke im deutschen Frauensprint scheinen Gina Lückenkemper mit gerade erst 19 Jahren sowie weitere deutsche Top-Talente schneller als gedacht füllen zu können.

Das Feld aufgerollt > „Was soll ich sagen? Die Läufer waren einfach geil. Klar habe ich beim Start noch Reserven. Dafür war das freie Laufen hinten raus einfach klasse. Es ging richtig ab, das ist mein Ding“, sprudelte es nach den fantastischen Rennen nur so heraus aus der LGO-Athletin. Weinheim bewies einmal mehr: Die 19-Jährige kann sich auf ihr starkes Finish verlassen. „Ich verkrampfe auch nicht, wenn ich dem Feld hinterherjagen muss“, sagte Lückenkemper.

Das musste auch die starke Konkurrenz bei der Kurpfalz-Gala erfahren. Im Finale arbeitete sich Gina Lückenkemper im Laufe des (kurzen) Rennens immer weiter nach vorn und fing auch noch die Top-Favoritinnen recht klar ab. Rang zwei ging bei fast idealem Rückenwind von 1,8 Metern pro Sekunde an Ashleigh Nelson (Großbritannien; 11,19 sec). Es folgten die Schweizerin Mujinga Kambundji (11,24 sec) und die entthronte Meeting-Rekordlerin Tatjana Pinto (11,25 sec). Die Paderbornerin hatte bis Samstag mit 11,19 Sekunden die Bestmarke gehalten. Im Vorlauf waren aber schon Lückenkemper (11,18 sec) und Kambundji (11,14 sec) schneller, ehe die Dortmunderin sich den Meeting-Rekord im Finale sicherte.

Und jetzt auf die 200 Meter > Die Leistung der mit einer überragenden Sprintausdauer ausgestatteten Gina Lückenkemper sind umso überraschender, da die WM-Starterin des Vorjahrs eigentlich eine 200-Meter-Spezialistin ist. Über die halbe Stadionrunde ist sie amtierende U20-Europameisterin und eine klare Anwärterin auf einen Olympia-Start in Rio. Die geforderte Norm steht bei 23,20 Sekunden. In der aktuellen Form dürfte die Dortmunderin diese Zeit – genauso wie ihren Hausrekord von 23,04 Sekunden – in den kommenden Wochen deutlich unterbieten können.

Ihre erste Chance dazu bietet sich am kommenden Sonntag bei der Sparkassen-Gala in Regensburg. Dort wird sie auf starke deutsche Konkurrenz treffen. Unter anderen sind auch die Hessin Lisa Mayer und die U23-Europameisterin Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge) mit von der Partie. Diese beiden könnten wie Gina Lückenkemper bei den Olympischen Spielen zur deutschen Sprintstaffel zählen.

Mit dem Quartett der LG Olympia Dortmund sammelte Gina Lückenkemper in Weinheim schon einmal Erfahrung. In 45,80 Sekunden belegte die Staffel (Johanna Bechthold, Marilena Scharff, Gina Lückenkemper, Alina Hinkelmann) im strömenden Regen am Abend Platz vier. „So nass werde ich sonst nur unter der Dusche“ nahm es die Dortmunderin mit einem Augenzwinkern. Vielmehr genoss sie den Einsatz auf Position drei: „Es hat richtig viel Spaß gemacht, endlich mal wieder durch die Kurve zu rennen.“ Das darf sie dann auch wieder am kommenden Sonntag in Regensburg über 200 Meter. Man darf gespannt, ob Gina Lückenkemper auch auf ihrer Spezialstrecke der Schritt Richtung Weltklasse gelingt.

  1. Ulrich Rehberg

    Liebes Sprintwunder!
    Die Läufe waren fabelhaft, was wird nun aus den 200 m? 22,2? 21,9?
    Für die Staffel empfehle ich die Gegengerade, da kann man den Lauf bis auf 115 m ausdehnen, in der Kurve kann es bis zu 90 m kurz werden. Das wäre verschenkt!
    Beim Start müsste der erste Schritt wohl 10 bis 15 cm länger werden, ehe das zufriedenstellend wird.
    Mir fiel das bei Pintos 7,07 in der Halle durch Vergleich zu den Konkurrentinnen auf.
    Die Armarbeit ist gut, anders als bei Pinto, die die Arme zu sehr seitlich nach außen führt.
    Im ganzen erinnert mich das alles an die Sprints vor 60 Jahren mit Germar im Endspurt und Fütterer in der Kurve.
    Beide lieferten da auch Unglaubliches. Germar holte mal im Länderkampf gegen Polen 6 – 7 m gegen einen Sprinter, der 10,4 laufen konnte, auf. Hary zog oft im direkten Vergleich gegen Germar und sogar gegen Fütterer wie 1958 in Hannover den Kürzeren. In zwei Läufen liefen sie damals je 10,2 auf Aschenbahn, im Endlauf sogar bei schlechtem Wetter, ich hab noch Fotos davon.
    Weiter so, spare die Kraft und erlaube keine Vielstarterei.
    In großer Bewunderung
    U.R., ein alter Bewunderer der Leichtathletik

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