Luis Brandner vor der U20-Hallen-DM: „Die Vorfreude ist größer als die Nervosität“

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Luis Brandner
Ballte 2018 als Deutscher U20-Meister über 60 Meter die Fäuste. Am Wochenende will Luis Brandner in Sindelfingen in einer ähnlichen Pose jubeln (Foto: Dirk Gantenberg)

Der deutsche Leichtathletik-Nachwuchs ermittelt am Wochenende in Sindelfingen seine Meister. Über 60 Meter (Samstag) und 200 Meter (Sonntag) ist Luis Brandner im Glaspalast der Gejagte. Im Interview spricht das Sprint-Talent vom LAC Erfurt – Top-Team über seine Ziele, wie er seine Startschwäche in den Griff bekommen hat und welche Stärken seinen Trainer Gerhard Jäger besonders auszeichnen.

Luis Brandner, 2018 sind Sie etwas überraschend Deutscher U20-Hallenmeister über 60 Meter geworden. Am Samstag starten Sie in Sindelfingen hingegen als Titelverteidiger und Top-Favorit. Sind Sie schon nervös?
Nicht nervöser als vor jeder anderen großen Meisterschaft. Die Vorfreude überwiegt eindeutig.

Haben Sie gedacht, dass 6,72 Sekunden für Sie möglich sind? Schließlich sind Sie nicht der beste Starter.
Die Vorbereitung auf die Hallensaison lief zum ersten Mal komplett reibungslos und ohne Probleme. Meine Startphase konnte ich in Folge dessen auf einem ganz guten Niveau stabilisieren. Dadurch wusste ich schon Anfang Januar, dass ich in einer sehr guten Verfassung bin, habe mir aber nie wirklich Gedanken über eine bestimmte Zielzeit gemacht. Ich wollte locker an die Sache rangehen. Ein bisschen überrascht haben mich die 6,72 Sekunden allerdings schon.

Wie haben Sie in den vergangenen Monaten speziell am Start und der Beschleunigung gearbeitet?
Ausschlaggebend bei meiner Entwicklung im Startbereich war meine Kraftentwicklung über die vergangenen Monate. Diese zusätzliche Kraft gibt mir eine gute Grundlage, auf der ich dann bestimmte technische Aspekte aufbauen kann.

Luis Brandner erst seit 2016 ein Sprinter

Sie haben in Arnstadt als Hochspringer begonnen und sind erst vor knapp drei Jahren und damit relativ spät zum Sprint gekommen. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie fürs schnelle Laufen Talent mitbringen?
Ich war nie der Langsamste in den jüngeren Altersbereichen, aber ein spezielles Talent war da noch nicht zu erkennen. Das hat sich dann erst in meinem ersten Jahr als Sprinter 2016 herauskristallisiert.

In der deutschen U20-Bestenliste ist Fabian Olbert mit 6,77 Sekunden Ihr engster Verfolger. Welche anderen Sprinter haben Sie im Rennen um Gold noch auf der Rechnung?
Über 60 Meter ist vieles möglich. Wenn jemand einen guten Tag und einen guten Start erwischt, kann es bei vielen schnell werden. Mein Fokus liegt aber voll auf meiner Leistung und wie ich meine Läufe durchbringe. Alles andere ist für mich nebensächlich.

Auch über 200 Meter führen Sie mit 21,12 Sekunden die U20-Bestenliste an. Hatten Sie mit einer solchen Zeit – der schnellsten eines deutschen U20-Sprinters seit 2003 – in Ihrem allerersten Rennen über die Hallenrunde gerechnet?
Die 21,12 Sekunden hatten tatsächlich weder ich noch mein Trainer auf dem Plan. Ich persönlich bin mit keiner großen Erwartungshaltung in das Rennen gegangen, was sich am Ende wahrscheinlich auch positiv ausgewirkt hat. Allerdings kommt die Zeit auch nicht aus dem Nichts. Wenn ich mir meine Vorbereitung anschaue, hätte man schon auf eine Zeit in diese Richtung schließen können.

Konzentriert und motiviert in die Rennen

Auch auf dieser Strecke sind Sie in Sindelfingen der Gejagte …
… was aber keine große Rolle für mich spielt. Ich gehe in den Wettkampf mit der gleichen Konzentration und Motivation, als hätte ich die zweit- oder drittschnellste Zeit stehen. Da muss sich jeder auf sich selbst konzentrieren.

Sie trainieren in Erfurt in einer starken Gruppe, unter anderem mit dem deutschen Rekordler Julian Reus. Was zeichnet Ihren erfahrenen Coach Gerhard Jäger aus?
Vor allem seine Erfahrung. Er hat quasi schon jede erdenkliche Situation im Sport erlebt und daraus seine Schlüsse gezogen. Diese Erfahrung hilft natürlich vor allem uns jüngeren Athleten. Herr Jäger beweist auch ein sehr gutes Händchen in der Kommunikation mit uns. Man kann mit ihm über vieles lachen, aber wenn es ernst wird, findet er auch sehr deutliche und direkte Worte. Das macht die Zusammenarbeit mit ihm so angenehm. Und seine wohl größte Stärke ist die Trainingsmethodik. Also wenn es darum geht, Trainingspläne aufzustellen und eine Langzeitentwicklung zu gewährleisten, gibt es wohl keinen besseren Trainer als ihn.

Die Hallensaison ist nur eine Durchgangsstation Richtung Sommer. Was haben Sie sich nach Ihrer enormen Steigerung in den vergangenen Monaten für die Sommersaison vorgenommen?
Das Wichtigste wird erst einmal sein, gesund durch die Vorbereitung auf den Sommer zu kommen. Davon hängt vieles ab. Wenn das gelingt, stehen natürlich die U20-Europameisterschaften in Schweden an, bei denen ich auf jeden Fall um eine Einzelmedaille kämpfen will. In der Staffel ist unser Ziel, Europameister zu werden. Und auf nationaler Ebene möchte ich mich natürlich auch behaupten und Deutscher U20-Meister über 100 und 200 Meter werden. Auf bestimmte Zeiten möchte ich mich im Hinblick auf den Sommer nicht festlegen. Ich weiß: Wenn ich gesund bleibe, dann wird es auch schnell.

Hinweis: „leichtathletik.de“ überträgt die Jugend-DM in Sindelfingen komplett im Livestream – vom ersten Startschuss bis zum letzten Zieleinlauf. Am Samstag und Sonntag beginnen die Wettkämpfe jeweils um 10 Uhr.

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