Starker Saisonabschluss und Straßen-Titel

Für die eine war es die Premiere auf der ganz großen Meeting-Bühne der Leichtathletik, für die andere das letzte Rennen ihrer Karriere: Während sich Ex-Europameisterin Verena Sailer (MTG Mannheim) am Sonntag beim 74. Berliner ISTAF verabschiedete, war Gina Lückenkemper (LAZ Soest) erstmals bei einem Prestige-Meeting am Start. Und ihr Ergebnis konnte sich sehen lassen. Mit 11,48 Sekunden schlug sich die Schülerin in einem starken Feld als Siebte beachtlich. Damit gelang ihr das Kunststück, in allen 100-Meter-Rennen der Saison unter ihrer Bestzeit aus dem Vorjahr (11,54 sec) zu bleiben.

„Das war für mich ein krönender Abschluss einer tollen Saison“, strahlte die U20-Europameisterin über 200 Meter. Nach dem Zieleinlauf lag die 18-Jährige Verena Sailer in den Armen. Die dominierende deutsche Sprinterin des vergangenen Jahrzehnts hatte am Samstag relativ überraschend ihr Karriereende bekannt gegeben. Zuletzt hatte die 29-Jährige bei der WM in Peking auf dem Weg zu Staffel-Platz fünf noch den Stab von Gina Lückenkemper übernommen. Nun will sich die Europameisterin von 2010 auf ihr Studium der Wirtschaftspsychologie und den Einstieg ins Berufsleben konzentrieren. Auf den letzten 100 Metern der Karriere belegte sie beim ISTAF mit 11,37 Sekunden noch einmal Platz sechs. Der Sieg ging bei kühlen Witterung und Nässe in 11,11 Sekunden an die US-Amerikanerin Candyce MCGrone.

Einen Tag nach dem deutschen Team-Sieg bei „Berlin fliegt!“ vor dem Brandenburger Tor schnürte Lena Malkus am Sonntag schon wieder die Spikes. Wenige Kilometer vom Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt entfernt, ging es für die Weitspringerin vom SC Preußen Münster beim 74. ISTAF zur Sache. Bei Herbst-Wetter schlug sich die Deutsche Meisterin mit 6,37 Metern als Vierte ordentlich. Selbst die momentan stärkste Weitspringerin der Welt konnte im Olympiastadion nicht an ihre Top-Weiten der vergangenen Wochen anschließen. 6,60 Meter reichten Ivana Spanovic trotzdem deutlich zum Sieg. Vergangene Woche hatte die Serbin in Zürich ihren Landesrekord auf 7,02 Meter gesteigert.

Die weiteren Podiumsplätze gingen an Christabel Netty (Kanada; 6,45 m) und die Wattenscheiderin Sosthene Moguenara (6,40 m). Dahinter folgte Lena Malkus, die mit den Britinnen Lorraine Ugen und Jazmin Sawyers sowie Funmi Jimoh (USA) starke internationale Springerinnen hinter sich ließ. Insgesamt kann Lena Malkus damit auf eine gute und erfolgreiche Saison zurückblicken. Mit 6,94 Metern zählt sie zu den besten zehn Weitspringerinnen der Welt, dazu wurde die 22-Jährige zum ersten Mal Deutsche Meisterin bei den Frauen und startete in Peking zum zweiten Mal bei Weltmeisterschaften. Der Weg für ein erfolgreiches Olympiajahr 2016 scheint geebnet.

Mit den Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer in Bad Liebenzell ist der Straßenlauf-Herbst am Sonntag in seine heiße Phase eingetreten. Natürlich durfte auch Deutschlands Top-Talent auf den Langstrecken nicht fehlen, Alina Reh (TSV Erbach). Die 18-Jährige startete in der U23-Klasse und ließ der bis zu vier Jahre älteren Konkurrenz keine Chance. Mit 33:35 Minuten lag sie im Ziel 18 Sekunden vor der zweitplatzierten Juniorin Franziska Reng (LG Telis Finanz Regensburg), die in Bad Liebenzell eine starke Leistung zeigte. Ihre Bestzeit verpasste Reh nur um drei Sekunden.

Im Gesamteinlauf musste die zweifache U20-Europameisterin lediglich den beiden Favoritinnen den Vortritt lassen. Den Sieg sicherte sich erwartungsgemäß Fate Tola. Die gebürtige Äthiopierin, die für die LG Braunschweig startet, blieb in 31:56 Minuten erstmals in ihrer Karriere unter der 32-Minuten-Marke. 63 Sekunden dahinter sicherte sich Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) nur vier Monate nach ihrer Fuß-OP schon wieder Rang zwei. Während das schnelle Duo im Herbst weiter auf der Straße unterwegs ist, konzentriert sich Alina Reh in den nächsten Monaten auf die Cross-Saison. Höhepunkt soll die Europameisterschaft am 13. Dezember in Hyères (Frankreich) werden.

Speerwerfer Tom Meier (LC Jena) ist nach seinem Kreuzbandriss im rechten Knie erfolgreich operiert worden. Am 19. August kam er beim Knie-Spezialisten Dr. Peter Ullmann in der Sportklinik Erfurt unters Messer. „Das hat alles super geklappt. Sowohl die Operation als auch die Nachsorge waren auf Leistungssport ausgerichtet“, berichtet der Deutsche U20-Meister mit ein wenig Abstand. Allerdings wurde bei der OP auch ein Knorpelschaden im Knie diagnostiziert. „Somit wird die Zwangspause wohl noch länger dauern als gedacht“, bremst der 18-Jährige die Erwartungen auf ein schnelles Comeback. Wie lange für einen mit großen Kniebelastungen arbeitenden Werfer der Weg zurück sein kann, hat man in diesem Jahr bei Robert Harting gesehen. Der Diskuswurf-Olympiasieger hatte sich Anfang September 2014 das Kreuzband gerissen und wird erst im kommenden Jahr wieder Wettkämpfe bestreiten. Tom Meier hatte sich am 2. August im fünften Durchgang der U20-DM im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld schwer verletzt. Da seine Weite aus dem dritten Wurf (68,32 m) die Konkurrenz nicht mehr toppen konnte, setzte er sich trotzdem durch. Urkunde und Goldmedaille erhielt er nach Untersuchung in der Klinik.

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