Till Helmke hängt Spikes an den Nagel

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Der letzte Startschuss ist ertönt: Sprinter Till Helmke hängt seine Spikes an den Nagel. „Es war kein einfacher Entschluss, aber wohl der richtige“, schaut der Frankfurter, der zuletzt für den TSV Bayer Leverkusen gestartet war, zurück. Schließlich zählte der 28-Jährige über viele Jahre zu den schnellsten Deutschen.

Helmke weiß, wer ihn an die Sprintspitze geführt hat: „Ohne ein starkes Team an seiner Seite gewinnt man heutzutage als Einzelsportler nichts mehr. Darum möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Speziell bei meiner langjährigen Trainerin Sieglinde Weber, den vielen Helfern in meinen Vereinen, meinen Förderern und natürlich meiner Familie.“

Olympia-Fünfter und 20,37-Sekunden-Sprinter

Seine größten Erfolge feierte er im Trikot des TSV Friedberg-Fauerbach (später LG Ovag Friedberg-Fauerbach). So rannte er mit 20 Jahren bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen in den 200-Meter-Zwischenlauf und gehörte auch zur deutschen 4×100-Meter-Staffel. Im selben Jahr verpasste er mit Marius Broening, Tobias Unger und Alexander Kosenkow in 38,30 Sekunden den damaligen deutschen Rekord nur um eine Hundertstel. 2008 in Peking belegte Helmke mit dem deutschen Sprint-Quartett einen starken fünften Platz. „Das war ein tolles Ergebnis. Dabei war es gar nicht einfach, im richtigen Moment loszulaufen, da ich das Wechselkommando bei dem Lärm im Stadion gar nicht hören konnte“, erinnert sich Helmke ans olympische Finale im „Vogelnest“.

Seine beste Einzelleistung zeigte der Student 2007. Bei einem kleinen Sportfest in Wetzlar lief er die 200 Meter in 20,37 Sekunden und damit auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste sowie zum hessischen Rekord. Gerade diese Tatsache ist aber auch charakteristisch für Helmkes Karriere: Denn häufig konnte er bei wichtigen Wettkämpfen seine Top-Form nicht zeigen, sodass ihm große Einzelstarts nach Olympia in Athen verwehrt blieben.

Bei Heim-WM nur Zuschauer

Einen Rückschlag musste der Sprinter ausgerechnet 2009 hinnehmen. Kurz vor der Heim-WM in Berlin zog sich der 28-Jährige einen Muskelfaserriss zu. Die als ein Karrierehöhepunkt gedachte WM mit den Fabel-Weltrekorden von Usain Bolt erlebte Till Helmke nur als Zuschauer. Dabei wäre der Hesse nur zu gern noch einmal gegen den Über-Sprinter angetreten. Schließlich ist er einer der wenigen deutschen Athleten, der sich in einem internationalen Einzelfinale mit dem Jamaikaner maß. 2002 in Kingston belegte Helmke bei Bolts Heimsieg im 200-Meter-Finale Platz sieben der U20-Weltmeisterschaften.

Ebenfalls vor zehn Jahren im Finale dabei war Sebastian Ernst. Der Neu-Leverkusener wäre sehr gern mit seinem früheren Dauer-Konkurrenten 2013 gemeinsam in einer Bayer-Staffel gestartet, „doch diesen Gefallen konnte ich ihm leider nicht tun“, schmunzelt Helmke. Zu viele Verletzungen machten ihm in den vergangenen Jahren zu schaffen. „So konnte ich wegen Achillessehnenproblemen kaum schnelle Trainingseinheiten bestreiten“, erinnert er sich.

Dem Sport weiter verbunden

Damit ist nun Schluss. Doch trotz des Karriereendes wird Till Helmke dem Sport erhalten bleiben: „Es ist noch nichts unterschrieben. Aber so wie es aussieht, kann ich schon während des Studiums mein Berufsleben in einem sehr sportbezogenen Umfeld beginnen“, sagte der Master-Student (Sport-Management an der DSHS Köln). Zuvor hatte der 200-Meter-Spezialist schon ein Bachelor-Studium in BWL an der Uni Frankfurt abgeschlossen. Man darf also damit rechnen, Till Helmke auch weiter bei Leichtathletik-Highlights anzutreffen – wenn auch nicht in Spikes und auf der Jagd nach Medaillen und Bestzeiten.

Steckbrief  Till Helmke

Geboren: 6. Mai 1984

Vereine: TSV Friedberg-Fauerbach, LG Ovag Friedberg-Fauerbach (bis 2011),

TSV Bayer 04 Leverkusen (2012)

Bestzeiten, Freiluft:

100 m 10,31 sec (2004)
200 m 20,37 sec (HLV-Rekord; 2007)
4×100 m (DLV) 38,30 sec (2004)
4×100 m (Verein) 39,79 sec (HLV-Rekord; 2008)


Bestzeiten, Halle:

60 m 6,70 sec (2002)
200 m 21,02 sec (2005)
4×200 m 1:25,37 min (2006)


Größte Erfolge:

Olympia-Fünfter 2008 (4×100 m), Olympia-Teilnehmer 2004 (200 m und 4×100 m), WM-Teilnehmer 2005 und 2007 (4×100 m), 2. U23-EM 2005 (4×100 m), 4. Universiade 2005 (200 m), 2. U20-EM 2003 (100 m und 4×100 m), 3. U20-EM 2003 (200 m), 7. U20-WM 2002 (200 m), 6. U18-WM 2001 (200 m), Deutscher Schüler-Rekordler 75 m (8,36 s), vielfacher DM-Medaillengewinner, vielfacher Deutscher Jugendmeister

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